Urteil: Annullierte Flüge grundsätzlich ohne Aufpreis umbuchbar

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Wird ein Flug annulliert, müssen Passagiere grundsätzlich ohne Aufpreis umbuchen können. Das hat das Oberlandesgericht Köln bestätigt, aber eine Ausnahme hervorgehoben. Die Verbraucherzentrale NRW hatte die Deutsche Lufthansa AG wegen Verstößen gegen die EU-Fluggastrechteverordnung abgemahnt und wird weitere Schritte unternehmen.

Blick aus einem Flugzeugfenster
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Wenn ein Flug annulliert wird, können Passagiere wählen: Entweder bekommen sie das Geld für ihre Flugtickets zurück oder werden zum Endziel unter vergleichbaren Bedingungen gebracht – wahlweise zum frühestmöglichen Termin oder zu einem späteren Zeitpunkt nach ihrem Wunsch, solange es in der gewünschten Maschine ausreichend freie Plätze gibt. Das sieht die EU-Fluggastrechteverordnung vor und gilt auch während der Corona-Pandemie, bestätigt das Oberlandesgericht (OLG) Köln (Az. 6 U 127/20).

Eine Ausnahme macht das OLG aber für den Fall, dass Fluggäste die Umbuchung auf einen Flug ohne zeitlichen Zusammenhang mit der ursprünglichen Reise wünschen. Dann sollen Airlines einen Aufpreis verlangen dürfen. Im konkreten Fall wollte ein Fluggast nach der pandemiebedingten Annullierung seiner für Ende März 2020 von München nach Toulouse und zurück gebuchten Flüge vier Monate später fliegen. Hier sieht das Gericht den geforderten zeitlichen Zusammenhang nicht.

Die Frage, ob und inwieweit ein zeitlicher Zusammenhang zwischen annulliertem und umgebuchtem Flug bestehen muss, ist umstritten und sollte höchstrichterlich, am besten vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklärt werden. Deshalb wird die Verbraucherzentrale NRW diese Frage im Rahmen des sogenannten Hauptsacheverfahrens endgültig klären lassen.

Das OLG-Urteil erging im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens, in dem eine Revision nicht möglich ist. Im Mai 2020 hatten wir Verbraucherschützer die Deutsche Lufthansa AG abgemahnt.

Auch Air France hatte eine Abmahnung erhalten und daraufhin eine Unterlassungserklärung abgegeben. Dort wurden Kunden an den Online-Reisevermittler verwiesen, wenn sie von der Airline für ihren annullierten Flug die Ticketkosten zurückverlangten. Air France verpflichtete sich, diese unzulässige Verweispraxis einzustellen.

Hier finden Sie eine ausführlichere Darstellung zu den Hintergründen der Abmahnungen.