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Welche Wirkung haben "Detox"-Pulver & Co.?

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Den Körper zu entgiften ist angesagt, egal ob müde oder abgespannt, Kopfschmerzen oder ein paar Kilo zu viel. Was kann ein Detox-Pulver wirklich?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Detox ist die Abkürzung für Detoxifikation und bedeutet Entgiftung.
  • "Detox-Produkte" sollen den Körper reinigen, zur Gewichtsreduktion beitragen oder das allgemeine Wohlbefinden fördern – entsprechende Wirkungsnachweise fehlen.
  • "Schlacken" oder schädliche Ablagerungen, die sich im Körper ansammeln, gibt es nicht.
  • Sinnvoller ist es, im Alltag darauf zu achten, dass möglichst wenig schädliche Stoffe in den Körper gelangen: "vorbeugen statt detoxen".
Topf mit grünen Detox-Pillen und grünem Getränk
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Die Versprechungen sind enorm: Verheerende Schlacken und Giftstoffe, die uns die  Energie rauben, die Zellen schädigen, Alzheimer  und  Krebs fördern, sollen durch Detox-Produkte unschädlich gemacht werden. Die Produktpalette ist groß:

  • Zeitschriften empfehlen spezielle "Detox"-Diäten oder "Detox"-Kuren. Beispielsweise soll man eine Woche bestimmte Lebensmittel wie Hafer oder Hirse auf den Speiseplan setzen und dafür auf spezielle Lebensmittel wie tierische Produkte oder Kaffee verzichten.
  • Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln bieten spezielle "Detox"-Pulver oder Pillen an.
  • Spezielle Tees, Müslis, Smoothies oder Superfoods sollen wegen ihrer Zutaten eine besondere "Detox"-Wirkung entfalten.

Die "Detox"-Wirkung all dieser Angebote ist wissenschaftlich nicht bewiesen . Für die Entgiftung des Körpers sind vor allem Leber und Niere zuständig, unterstützt von Darm und Lunge. Zur Frage, ob man mit "Detox" langfristig abnehmen kann, gibt es keine wirkliche Studie. Die wenigen veröffentlichten Studien haben methodische Mängel. Natürlich nehmen Sie ab, wenn sie kurzfristig nur wenig essen - das hat jedoch mit "Detox" nichts zu tun. Mit "Detox" wollen Hersteller ihre Produkte besser verkaufen. Käufer versprechen sich einen Nutzen für ihre Gesundheit und sind bereit, dafür oft viel Geld zu bezahlen. So einfach ist das mit den Ernährungssünden leider nicht.

Was sinnvoller als Detox ist

Sinvoller ist es, die Aufnahme von potenziell schädlichen Stoffen möglichst gering zu halten:

Werbung mit "Detox" ist verboten

Der Bundesgerichtshof hat 2017 im mehreren Urteilen (I ZR 71/16, I ZR 167/16)  klargestellt, dass Verbraucher mit dem Begriff "Detox" weder Wellness noch Lifestyle verbinden, sondern darin eine entschlackende oder entgiftende Wirkung sehen. "Detox" ist damit eine gesundheitsbezogene Angabe, die Lebensmittelhersteller nach EU-Recht nicht beliebig wählen dürfen.  Nach der so genannten Health-Claims-Verordnung ist die Werbung mit nicht zugelassenen Gesundheitsversprechen verboten. Dafür werden diese zuvor wissenschaftlich geprüft. Diese Prüfung ist für ein Dutzend Lebensmittel mit angeblichen "Detox"-Zutaten bereits negativ ausgefallen, eine Wirkung konnte nicht belegt werden. Aktuell werben diverse Hersteller mit abgewandelten Aussagen wie "minus tox", "antitox" oder "d-tox" und so weiter.

Kürzlich hat die Verbraucherzentrale Hessen den Hersteller eines solchen Produkts abgemahnt. Er hatte mit Sprüchen wie "Hilft Dir, Deinen Körper von innen zu reinigen" und dem Namen "Pure Detox" geworben.  Der Hersteller konnte für sein  Produkt keine genehmigten Health Claims nachweisen und akzeptierte die Unterlassungsforderung.

Detox kann gefährlich sein

Werden in "Detox"-Programmen spezielle Pulver und Wirkstoffe aus dem Internet empfohlen, kann es sogar gefährlich werden. Die tatsächlichen Inhaltsstoffe entsprechen oft nicht dem, was auf der Verpackung steht.

Detox-Produkte auf Zeolithbasis können sogar selbst Schwermetalle, besonders Blei, enthalten. Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder auch Arsen können sich im Körper anlagern und giftig auf das zentrale Nervensystem oder Organe wie Leber, Nieren oder Bauchspeicheldrüse wirken. Sie sollten daher in Lebensmitteln möglich gar nicht vorkommen.

Außerdem kann es bei stark konzentrierten oder unreinen Pflanzen-Substanzen zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen. Bei ganz normalen Tees, Gemüsesäften oder grünen Smoothies in normaler Menge sind in der Regel keine Probleme zu erwarten. Wer allerdings längere Zeit extrem fastet oder bestimmte Lebensmittel dauerhaft meidet, riskiert Nährstoffmangel.

Tipp: Essen Sie täglich frisches Gemüse und Obst, auch in Form von selbst hergestellten Smoothies. Dadurch bekommen Sie Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenstoffe – beste Voraussetzung für die Entgiftungsarbeit von Leber und Nieren.