Was für Angehörige älterer Menschen in Corona-Zeiten wichtig ist

Stand:
Wenn Sie älteren Angehörigen im Alltag helfen, sie besuchen oder sogar die Pflege teilweise übernommen haben, gelten in Zeiten von Corona besondere Vorsichtsmaßnahmen, um sie nicht anzustecken. Wichtig: Achten Sie auch auf sich selbst und übernehmen Sie sich nicht.
Ein älteres Paar sitzt am Tisch und frühstückt, während im Hintergrund eine junge Frau in der Küche arbeitet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hilfe für die Eltern und der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen sind während der Corona-Krise eine besondere Herausforderung.
  • Wer seine Angehörigen besucht und / oder pflegt, sollte weiterhin umsichtig sein. Wir geben Tipps, worauf Sie achten sollten.
  • Wenn bei der Betreuung und Pflege zuhause der Pflegedienst oder andere Menschen, wie zum Beispiel Nachbarschaftshilfen, mitwirken, sollte man darauf achten, dass die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.
  • Besuche in Pflegeheimen finden nach ausgewiesenen Hygienekonzepten statt. Erkundigen Sie sich nach den geltenden Regeln bei der Heimleitung oder Pflegedienstleitung.
On

Das Coronavirus stellt auch den Alltag von Angehörigen älterer Menschen auf den Kopf. Ob sie sich nun zum Beispiel um ihre Eltern kümmern und ihnen im Alltag helfen oder ob sie sogar die Pflege teilweise übernommen haben – das Virus sorgt für viele Unsicherheiten und offene Fragen. Das Wichtigste: Wer Angehörige besucht, versorgt oder pflegt, sollte sich strikt an die Hygieneregeln halten.

Dazu gehört es, in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich mit den Händen anzufassen sowie sich nach Kontakt mit anderen Personen oder Erledigungen außerhalb der eigenen vier Wände die Hände gründlich zu waschen.


Mehr Informationen zu Schutzmaßnahmen finden Sie auch in unserem separaten Artikel zu Corona.

Alle unsere Verbraucher-Informationen zu Corona finden Sie übrigens auf unserer Übersichtsseite zum Thema.


Tipps für Hilfen und die Pflege zu Hause

Grundsätzlich sollte ein kleiner Kreis von Angehörigen Hilfsdienste wie einkaufen, kochen oder putzen übernehmen, um die Zahl der sozialen Kontakte konstant zu halten. Dies gilt jedenfalls solange die Angehörigen selber gesund sind und zu keiner positiv getesteten Person Kontakt hatten.

Wenn Sie also selber vorsichtig sind und soziale Kontakte sorgfältig auswählen, können Sie sich auch weiterhin um Ihre Angehörigen kümmern. Nach Betreten der Wohnung sollten Sie sich umgehend gründlich die Hände mit Seife waschen. Bei der Pflege von Haus und Garten können Sie Hilfe leisten, auch ohne dass Ihre Eltern dabei sind. Wenn Ihre Eltern Begleitung bei Arztbesuchen benötigen, sollten Sie auch hier so viel Abstand wie möglich einhalten: Sie selbst vorn im Auto und nur einer Ihrer Eltern auf dem Sitz hinten rechts.

Sie sollten aber folgende Aspekte beachten:

  • Wenn bei Ihnen Symptome für eine Atemwegserkrankung und Fieber auftreten, pflegen Sie Ihren Angehörigen erst einmal nicht mehr, organisieren Sie möglichst eine kurzfristige Vertretung und kontaktieren Sie sofort Ihren Hausarzt. Erinnern Sie ihn daran, dass Sie für die Pflege Ihres Angehörigen verantwortlich sind.
  • Auch wenn Sie Ihren Angehörigen pflegen - halten Sie außerhalb der notwendigen Pflegemaßnahmen den Sicherheitsabstand von ca. 1,5 Metern ein. Reduzieren Sie Umarmungen oder Berührungen, vor allem im Gesicht.
  • Sie dürfen sich weiterhin mit anderen Personen treffen. Halten Sie die Anzahl der direkten Kontakte möglichst gering. Informieren Sie sich über Regelungen, die in Ihrem Bundesland sowie in Städten und Gemeinden gelten. Beachten Sie die Regel AHA + A + L (Abstand + Hygiene + Alltag mit Maske + Corona-Warn-App + Lüften).
  • Treffen Sie im Voraus Verabredungen für den Fall, dass Sie als Angehöriger wegen Krankheit oder Quarantäne ausfallen – wer könnte dann übernehmen?
  • Wenn es sich anbietet, können Sie die Pflege und Betreuung auch aufteilen – zum Beispiel unter Geschwistern. Natürlich müssen sich dann alle an die bekannten Regeln halten.
  • Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen Angehörige von Menschen mit Demenz: Die besonderen Hygiene-Maßnahmen in der Corona-Epidemie sind Menschen mit einer Demenz je nach Stadium nicht zu vermitteln. Pflegende Angehörige sind deshalb noch mehr gefordert und benötigen verstärkt Entlastung, um nicht auszubrennen.
  • Bitten Sie Freunde und Nachbarn einzukaufen und die Einkäufe vor der Haustür abzustellen. Teilen Sie sich z.B. als Paar oder unter den Geschwistern die Betreuungszeiten stärker untereinander auf, damit Sie Luft holen können.
  • Suchen Sie rechtzeitig Rat bei Profis, wenn Sie unsicher sind, wie die Pflege Ihres Angehörigen künftig erfolgen soll: Pflegeberatungsstellen und Pflegestützpunkte der Bundesländer sind erste Ansprechpartner und derzeit telefonisch und per E-Mail erreichbar. Eine Übersicht liefert eine bundesweite Datenbank mit Adressen der Pflegestützpunkte.
  • Pflegedienste beachten die Hygienemaßnahmen in der Regel. Das Tragen eines medizinischen Mund-Nasenschutzes ist hier selbstverständlich. Sie können davon ausgehen, dass die Mitarbeiter eines Pflegedienstes besonders vorsichtig sind.
  • Besuchsdienste, wie zum Beispiel ehrenamtliche Nachbarschaftshilfen, sind in der aktuellen Lage ebenfalls wichtig. Sprechen Sie offen mit der betreuenden Person und fragen Sie, inwieweit sie die Hygieneregeln einhält. Im Zweifel sollten Sie auf diese Hilfe lieber vorübergehend verzichten.

Ausführliche Tipps erhalten Sie auch beim Zentrum für Qualität in der Pflege.

Besuche im Pflegeheim

Die Menschen, die im Pflegeheim wohnen, freuen sich besonders auf die Besuche von Kindern, Enkelkindern, Verwandten und Freunden. Für sie ist der Kontakt zu ihren Lieben sehr wichtig. Da ist es schwer zu ertragen, dass genau diese Besuche zeitweise nicht stattfinden konnten. Die Besuchsbeschränkungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die Einrichtungen müssen Hygienekonzepte vorhalten und gestalten die Besuchsregelungen dementsprechend.

Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, sind besonders schutzbedürftig. Daher haben Bund und Länder am 16. Februar 2022 vereinbart, dass alle Besucher:innen täglich eine negative Testbescheinigung vorlegen müssen. Diese Regelung gilt auch für Geimpfte. Die Bundesvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen, Pflegeschutzbund (BIVA) hat die Regelungen der verschiedenen Bundesländer zusammengefasst.

Auch die Menschen, die die Pflegebedürftigen pflegen und betreuen, bringen eine Ansteckungsgefahr mit ins Pflegeheim. Daher sind ausreichend Schutzvorkehrungen zu treffen. So wichtig es ist, die Besuche von außen zu reduzieren, so wichtig ist es auch, dieses Personal häufig zu testen und mit Schutzmasken zu versorgen. Weitere Maßnahmen zur Hygiene wie häufiges Händewaschen gelten hier natürlich auch.

In NRW gelten neue Vorschriften

Zum Schutze der Bewohner sind nach der Coronaschutzverordnung vom 20. Januar 2022 weiterhin besondere Schutzmaßnahmen einzuhalten, die vor einer Erkrankung schützen sollen. Die Einrichtungen sind verpflichtet, Besuche möglichst ohne Ansteckungsrisiko zu organisieren. Dennoch gilt grundsätzlich, dass die Impfquote in Pflegeheimen mit wiedergewonnenen Freiheiten für Bewohner und Besucher verbunden sind. Bei diesen Freiheiten wird jedoch unterschieden zwischen geimpften/genesenen Bewohner:innen und ungeimpften. Insbesondere werden für geimpfte oder genesene Bewohner:innen von Pflegeheimen lockerere Regeln getroffen.

Für geimpfte oder genesene Personen, die nicht negativ getestet wurden, gilt:

  • Zimmerquarantänen untersagt,
  • Besuchsbeschränkungen und Beschränkungen hinsichtlich des Verlassens von Einrichtungen ausgeschlossen,
  • verpflichtende Testungen von im Sinne dieser Allgemeinverfügung geltenden geimpften und genesenen Bewohnerinnen und Bewohnern ausgeschlossen, wenn die letzte erforderliche Impfdosis nicht länger als drei Monate zurückliegt. Keine zeitliche Beschränkung gilt für genesene Personen mit einer verabreichten Impfstoffdosis sowie Personen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten haben.

In der Verordnung ist im Einzelnen nachzulesen, welche Voraussetzungen für geimpft der genesen gegeben sind. Die aktuelle Fassung finden Sie auf land.nrw/corona.

Daneben werden die "Allgemeinen Hygieneanforderungen" geregelt. Die Einrichtung ist aufgefordert, Bewohner:innen und Besucher:innen über die Regeln durch Aushänge zu informieren. Dazu gehören etwa die Hand- und Nieshygiene, die Regelungen zur Maskenpflicht für Besucher:innen sowie das Abstandsgebot. Außerdem müssen in der Einrichtung ausreichend Möglichkeiten zur Händedesinfektion zur Verfügung stehen.

Regelungen zur Maskenpflicht:

  • Besucherinnen und Besucher  müssen in der Regel (außer es medizinische Gründe liegen vor) eine FFP2- Maske oder eine gleichwertige Atemschutzmaske – ohne Ausatemventil – tragen.
  • In den Räumen der Bewohner:innen, in der konkreten Besuchssituation und in den Aufenthaltsräumen dürfen geimpfte und genesene Besucherinnen und Besucher die Maske absetzen.
  • Für Mitarbeiter:innen in den Einrichtungen gelten die arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben. Daher müssen sie bei Tätigkeiten mit unmittelbarem engem Kontakt mit einem Abstand unter 1,5 Metern zu anderen Personen eine FFP2-Maske zu tragen.
  • Es wird den Bewohner:innen angeraten, außerhalb ihres Zimmers eine medizinische Maske zu tragen und den bekannten Sicherheitsabstand einzuhalten. Die Maskenpflicht für geimpfte und genesene Bewohner:innen entfällt bei Kontakt mit ausschließlich vollständig geimpften oder genesenen Bewohner:innen.

Weitere Regelungen betreffen die Schnelltests:

  • Besucher:innen werden beim Betreten der Einrichtung getestet. Sollten sie Symptome haben oder einen positiven Schnelltest, wird ihnen der Eintritt verweigert. Dies gilt auch, wenn sie den Test verweigern sollten.
  • Bewohner:innen werden bei der Aufnahme getestet oder wenn sie nach einer mehrtägigen Abwesenheit in die Einrichtung zurückkehren.
  • Regulär sind Bewohner:innen, die weder geimpft noch genesen sind, dreimal in der Woche mit einem Coronaschnelltest zu testen. Sollte der Test verweigert werden, müssen sie ständig die Maske tragen und dürfen nicht an gemeinsamen Veranstaltungen teilnehmen.

Quarantäneregelungen:

Positiv getestete Bewohner müssen in Quaratntäne. Hier kommt auch die Zimmerquarantäne in Betracht. Die Betreuung und Versorgung findet dann getrennt von den anderen Bewohner:innen statt. Die Quarantäne besteht für mindestens 10 Tagen und kann sich verlängern, wenn weiterhin ein positiver Schnelltest vorliegt.

Informationen für die Regelungen im Pflegeheim

Die Besuchsregelungen im Pflegeheim können sich relativ plötzlich ändern. Um hier auf dem Laufenden zu bleiben und immer die aktuellen Informationen zu erhalten, können Sie sich auf der Seite der BIVA Pflegeschutzbund informieren, die die Regelungen der verschiedenen Bundesländer zusammengefasst hat.

Nach aktuellem Stand dürfen sich Bewohner:innen frei bewegen und können selbst entscheiden, welche Personen sie wann und wo treffen. Sollte in den einzelnen Heimen dagegen verstoßen werden und strengere Reglungen ohne Absprache mit der Heimaufsicht, dem Gesundheitsamt und dem Ministerium getroffen worden sein, gilt laut Allgemeinverfügung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW für Einrichtungen (Kapitel II, Punkt 9): "Wer als Leiter einer Einrichtung Besuchsbeschränkungen, Zimmerquarantänen oder Verlassensverbote ausspricht, die nach dieser Allgemeinverfügung ausgeschlossen und nicht von der zuständigen WTG-Behörde in Abstimmung mit dem MAGS genehmigt worden sind, kann mit einer Geldbuße von bis zu 20.000 Euro belegt werden (§ 42 Absatz 1 Nr. 7 i.V.m. § 42 Absatz 2 WTG)."

Nicht vergessen: Achten Sie auch auf sich selbst!

So belastend die Situation für Ihre Angehörigen auch sein mag und sehr Sie helfen möchten: Nutzen Sie Hilfsangebote für Angehörige, wenn Sie bemerken, dass die Situation für Sie belastend ist! Informationen und Kontaktstellen finden Sie zum Beispiel in unserem Artikel für pflegende Angehörige.

Förderlogo BMJV