Smartphone ohne Ladegerät: Ist das erlaubt?

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Einige Smartphone-Hersteller – allen voran Apple – haben angekündigt, neue Smartphones und iPhones ohne Ladegerät verkaufen zu wollen. Ein Beitrag zum Umweltschutz – und rechtlich schwer zu beanstanden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Smartphones können aus unserer Sicht ohne Ladegeräte verkauft werden, wenn sie mit bisherigen Standard-Ladegeräten nutzbar sind.
  • Setzen Hersteller besondere Anschlüsse ein, müssen sie aber entsprechende Kabel mitliefern.
  • Aus ökologischer Sicht ist der Verzicht auf Ladegeräte zu begrüßen.
Verschiedene Ladegeräte und Ladekabel
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Wer ein Smartphone kauft, muss den darin enthaltenen Akku aufladen können. Sonst ist das Gerät schlicht nicht zu gebrauchen. Mit diesem Grundsatz wurden Mobiltelefone seit jeher mit beigelegtem Ladegerät und Ladekabel verkauft. Dadurch haben sich in zahlreichen Haushalten mittlerweile mehrere Ladegeräte und Kabel angesammelt – ob sie genutzt werden oder nicht.

Doch es gibt einen Wandel: Apple will keine Ladegeräte mehr in die Boxen neuer iPhones legen. Auch auf beigelegte Kopfhörer verzichtet der Hersteller. Angekündigt wurde das für den Verkauf der neuen iPhone 12-Modelle. Aber auch beim Vorgängermodell iPhone 11 hat Apple den Schalter umgelegt: Am 16.10. war im Online-Shop neben dem iPhone nur noch ein Kabel als Lieferumfang aufgeführt.

Das ist ganz im Sinne der Europäischen Union. Denn Ressourcen sollen geschont und Abfall verringert werden. Deshalb fordert die EU schon seit 2014 in einer Richtlinie einen einheitlichen Standard für Ladegeräte und Anschlüsse, damit die Verwendung älterer Ladegeräte auch bei neuen Smartphones möglich ist. Aus ökologischer Sicht begrüßen auch wir den Verzicht auf Ladegeräte in den Packungen neuer Smartphones.

Und wie sieht es rechtlich aus? Laut der erwähnten EU-Richtlinie 2014/53/EU und der deutschen Umsetzung in § 4 Absatz 3 Nr. 1 FuAG (Funkanlagengesetz) müssen Mobiltelefone "mit Zubehör, insbesondere mit einheitlichen Ladegeräten, kompatibel" sein. Vor diesem Hintergrund muss man Apple kritisieren: Denn während die meisten Anbieter USB-Anschlüsse in ihre Geräte bauen und damit den Gedanken einheitlicher Anschlüsse fördern, nutzt der kalifornische Konzern seit jeher einen eigenen Anschluss, den so genannten Lightning-Port. Damit benötigen Kunden, die bislang noch kein Apple-Gerät besitzen, auf jeden Fall ein spezielles Kabel. Immerhin das soll in der Verkaufspackung der neuen iPhones zu finden sein.

Allerdings nützt ein Ladekabel ja nichts ohne ein Gerät, das Strom hinein gibt. Da Ladegeräte aber einheitlich sein sollen und die meisten Haushalte über mindestens eines verfügen, würde Apple mit einem Kabel für den Lightning-Port aus unserer Sicht gesetzliche Vorgaben erfüllen und den Anwendern das Aufladen ihres Telefons ermöglichen.

Wäre da nicht die Sache mit dem Anschluss am Ladegerät. Denn das neue Apple-Ladekabel soll auf der einen Seite den Lightning-Stecker haben und an der anderen Seite einen USB-C-Stecker. Die meisten gängigen Ladegeräte (auch die für das Vorgängermodell iPhone 11) haben jedoch einen USB-A-Anschluss. USB-C ist erst jetzt langsam im Kommen, unter anderem weil damit höhere Ladeströme möglich sind. Wer also zwar ein Ladegerät mit USB-A-Anschluss hat, aber kein darauf passendes Kabel mit einem Lightning-Stecker, muss für das iPhone 12 doch einen Adapter, ein neues Kabel oder ein Ladegerät extra kaufen. Rechtlich kann man dabei jedoch nicht von einem Mangel des Produkts sprechen, gegen den man juristisch vorgehen könnte – es sei denn, der Verkaufskarton erweckt den Eindruck, dass ausschließlich mit dem enthaltenen Zubehör das Smartphone aufgeladen werden kann.

Als verbraucherfreundliche Lösung würden wir es begrüßen, wenn Kunden benötigte Kabel und Ladegeräte gratis bekommen, sofern sie nicht über das passende Zubehör verfügen – zum Beispiel über beigelegte Gutscheine. Außerdem sollte ein Ansinnen der EU auch bei den Kunden ankommen: Dass die so genannte Interoperabilität zur Senkung von Kosten beiträgt.