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Datenschutz bei Windows 10 erhöhen

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zum Start von Windows 10 wurde Microsoft – auch von den Verbraucherzentralen – wegen weitreichender Datensammlung kritisiert.
  • Inzwischen hat es mehrere Updates gegeben und die Nutzer werden besser auf die Einstellungsmöglichkeiten hingewiesen.
  • Doch wer sich nicht damit befasst und bei der Installation vorschnell weiter klickt, gibt nach wie vor möglicherweise ungewollt viele Daten preis.
  • Wir zeigen, wie Sie Windows 10 möglichst datensparsam verwenden.
Startmenü von Windows 10
Off

Zur Einführung von Windows 10 wurde Microsoft auch von den Verbraucherzentralen scharf kritisiert: Zu viele Nutzerdaten sammelte das System und schickte es ans Unternehmen. Mit dem "Creators Update" im April 2017 wurde es besser: Nutzer werden seither nach der Installation aufgefordert, sich Gedanken über die wesentlichen Datenschutz-Einstellungen auf ihren Geräten zu machen.

Dienste, die Sie nicht brauchen oder deren Aktionen Sie nicht verstehen, sollten deaktiviert werden.

Diese Möglichkeit sollten Sie auch auf jeden Fall nutzen! Denn wenn Sie die Standard-Einstellungen nicht verändern, erlauben Sie Microsoft und Windows 10 unter Umständen sehr weitreichende Einblicke in Ihr eigenes Nutzungsverhalten.

Empfohlene Einstellungen zum Start

  • Position Deaktivieren Sie diese Einstellung, wenn Sie Windows 10 nicht auf einem mobilen Gerät nutzen und standortabhängige Dienste nutzen wollen. Microsoft erklärt, dass dadurch das lokale Wetter nicht angezeigt werden könne. Tatsächlich können Sie aber in der Wetter-Anzeige im Startmenü auch händisch den Ort festlegen, für den das Wetter angezeigt werden soll. Bei der mobilen Nutzung Ihres Gerätes sollten Sie abwägen, ob Sie Microsoft Ihren Aufenthaltsort ständig bekanntgeben wollen oder möglicherweise nur dann, wenn Sie die Funktion etwa für eine Navigations-App benötigen.
  • Spracherkennung sollte deaktiviert werden, wenn Sie Ihr Gerät nicht über Sprache steuern wollen. Denn aufgenommene Sprache muss zur Erkennung an Server im Internet gesendet werden, die dem Betriebssystem antworten, was zu tun ist. Wenn Sie Ihr Gerät über Tastatur und Maus (oder Touchscreen) steuern, benötigen Sie die Sprachsteuerung nicht.
  • Diagnose Hier will Windows standardmäßig viele Informationen an Microsoft-Server senden. Unter anderem kann der Anbieter dadurch erfahren, welche Programme Sie in welchem Umfang auf Ihrem Gerät nutzen. Ändern Sie deshalb die Einstellung auf "Einfach".
  • Individuelle Benutzererfahrung mit Diagnosedaten bedeutet für Microsoft, Ihnen Tipps und Empfehlungen aufgrund Ihrer Gerätenutzung anzuzeigen. Was das genau bedeutet, erklärt das Unternehmen leider auch nicht in seinem Hilfe-Bereich.
  • Relevante Werbeanzeigen lässt Sie schließlich entscheiden, ob Sie Werbung angezeigt bekommen möchten, die Ihrem Nutzungsverhalten entspricht oder eher allgemeinen Inhalt hat. Wir empfehlen, auch diese Funktion zu deaktivieren.

Letztlich stellt sich die Assistentin Cortana vor und möchte eingerichtet werden. Aber damit sie arbeiten kann, braucht Sie jede Menge Daten von Ihnen, die zum Teil an Server von Microsoft in der ganzen Welt gesendet werden können. Wollen Sie ohne diese künstliche Intelligenz an Ihrem Gerät arbeiten, klicken Sie auf "Jetzt nicht".

Als generelle Regel sollte gelten: Dienste, die Sie nicht brauchen oder deren Aktionen Sie nicht verstehen, sollten deaktiviert werden.

Wem seine Daten wichtig sind oder wer die Entscheidungen später ändern möchte, der kann nach dem Start der neuen Windows-Version noch etliche weitere Einstellungen vornehmen. Die nötigen Schritte erklären wir in einzelnen Punkten. Klicken Sie auf die Stichworte, um die Erklärungen angezeigt zu bekommen. Durch unterschiedliche Windows-Versionen oder Geräte können manche Bezeichnungen bei Ihnen anderes sein. Unsere Erklärungen beziehen sich auf die Version 1803 (Stand Juli 2018).

Datenschutz-Einstellungen öffnen

Klicken Sie auf das Windows-Logo unten links und danach in der linken Leiste auf das Zahnrad ("Einstellungen"). Anschließend klicken Sie auf "Datenschutz". Nun gehen wir die einzelnen Menüpunkte durch.

Allgemein

Die Verwendung der Werbe-ID sollte deaktiviert sein. Warum? Unter dieser ID wird z.B. gespeichert, für welche Produkte Sie sich am Computer interessieren und was Sie sich auf Internetseiten ansehen. Öffnen Sie dann eine App wie z.B. Twitter, wird Ihnen anhand der gesammelten Information in Twitter die passende Werbung angezeigt. Dadurch weiß nun auch Twitter, für welche Produkte Sie sich interessieren.

Aus ähnlichen Gründen empfehlen wir, die folgenden Punkte auf Aus zu schalten: "Websites den Zugriff auf die eigene Sprachliste gestatten" und "Windows erlauben, das Starten von Apps nachzuverfolgen".

Spracherkennung, Freihand und Eingabe

Bei Apple heißt es Siri, bei Microsoft Cortana: Mit Stimme und Handschrift lässt sich der Computer steuern. Das birgt aber enorme Datenschutzrisiken: Damit Cortana überhaupt versteht, was Sie sagen, werden alle gesprochenen Worte an Server von Microsoft geschickt und dort analysiert. Von dort wird Cortana mitgeteilt, was sie machen soll. Wenn Sie Ihren Computer nicht per Sprache steuern wollen, schalten Sie die Spracherkennungsdienste und Eingabevorschläge ab.

Diagnose und Feedback

Wir empfehlen die Einstellung "Einfach": So erhält Microsoft im Falle eines Fehlers die nötigen Informationen, aber keine weiteren über Ihr Nutzerverhalten. "Freihand- und Eingabeerkennung verbessern" sollten Sie abschalten, wenn Sie Ihr Gerät nicht per Sprache oder Stift steuern. Die "Individuelle Benutzererfahrung" steuert, ob Sie während Ihrer Arbeit mit Windows zum Beispiel Werbung von Microsoft für weitere Produkte zu sehen bekommen. Schalten Sie auch diese Funktion ab, wenn Sie das nicht möchten.

Wenn Sie wissen möchten, welche Daten genau von Windows 10 als "Diagnosedaten" gespeichert werden, können Sie die "Diagnosedatenanzeige" aktivieren. Um die Daten zu sehen, muss ein zusätzliches Programm aus dem Microsoft Store installiert werden. Sie können anschließend auch Ihre Diagnosedaten über den Button "Löschen" wieder entfernen.

Bei "Feedbackhäufigkeit" empfehlen wir die Einstellung "Nie", damit Microsoft nicht automatisch und unbemerkt Ihre Nutzungsdaten abrufen kann.

Aktivitätsverlauf

Arbeiten Sie auf mehreren Geräten mit Windows 10? Beginnen Sie zum Beispiel einen Brief an einem Tablet und wollen ihn auf einem Computer weiter schreiben? Falls nicht und Sie tatsächlich nur ein Gerät mit Windows 10 nutzen, können Sie die Häkchen bei "Windows meine Aktivitäten auf diesem PC sammeln lassen" und "Windows meine Aktivitäten auf diesem PC mit der Cloud synchronisieren lassen" entfernen. Weiter unten in dem Fenster können Sie dann auch veranlassen, dass eventuell bereits aufgezeichnete Aktivitäten gelöscht werden.

Position

Mit der Positionserkennung sendet Ihr Gerät an Microsoft, wo Sie es gerade benutzen. Wenn Sie also nicht möchten, dass Microsoft weiß, wo Sie gerade sind, schalten Sie die Positionserkennung über die Schaltfläche "Ändern" aus. Ist die Erkennung bereits ausgeschaltet, wird das in einem Satz über der Schaltfläche angezeigt.

Scrollen Sie etwas herunter, können Sie mit einem Klick auf die Schaltfläche "Löschen" eventuell bisher gesendete Positionsdaten auf dem Gerät entfernen. Ob sie dadurch auch bei Microsoft gelöscht werden, ist unklar.

Falls Sie den Positionsverlauf doch aktiviert haben, können Sie beim nochmaligen Herunterscrollen einzelne Programme (Apps) festlegen, die mit Ihren Positionsdaten arbeiten dürfen oder nicht.

Kamera

Hat Ihr Gerät eine Kamera, können Sie hier festlegen, ob sie aktiv sein soll und welche Programme sie nutzen dürfen. Wichtig ist das etwa für Video-Chats wie Skype. Benötigen Sie die Kamera gerade nicht, sollte sie aus Sicherheitsgründen abgeschaltet sein. In der unteren Liste können Sie für einzelne Programme festlegen, ob sie die Kamera generell nutzen dürfen oder nicht.

Mikrofon
Auch hier können Sie wie bei der Kameraeinstellung festlegen, welche App Ihr Mikrofon verwenden darf. Brauchen Sie es gerade nicht, schalten Sie es am besten aus.
Benachrichtigungen

Hier stellen Sie ein, welche Apps auf die Benachrichtigungsfunktion Ihres Geräts zugreifen dürfen. Soll Ihnen keine App irgendeine Benachrichtigung anzeigen, stellen Sie den Schalter auf "Aus".

Kontoinformationen
Wenn Sie bei Microsoft ein Konto besitzen, haben Sie dort auch Informationen über sich angegeben. Sie können sich entschieden, ob Ihr Gerät auf diese Infos zugreifen soll. Sollen andere Apps darauf zugreifen dürfen? Wenn nicht, schalten Sie die Funktion komplett aus. Darunter können Sie alternativ für einzelne Programme entscheiden, welche auf Ihre Kontoinformationen zugreifen dürfen und welche nicht.
Kontakte

Welches Programm darf die Daten der gespeicherten Kontakte verwenden? Die Mail-Anwendung muss es dürfen, weil sie sonst keine gespeicherten E-Mail-Adressen aus dem Kontaktverzeichnis nutzen kann. Andere Programme, vor allem solche, die Sie nicht kennen, sollten das nicht dürfen. Denn bedenken Sie: Es sind die Daten anderer Menschen, die Sie an Firmen verteilen!

Kalender, Anrufliste, E-Mail, Aufgaben, Messaging

Das gleiche Spiel wie bei den Kontakten: Hier wird eingestellt, welche App Kalendereinträge, die Anrufliste (nur relevant für Smartphones), das E-Mail-Programm, Aufgaben und Nachrichten wie SMS und MMS nutzen oder erstellen darf. Sie können bei allen genannten Punkten auf die gleiche Weise festlegen, welche Anwendungen jeweils Zugriff haben sollen und sollten diesen nur gewähren, wenn Sie die Anwendung kennen und diese den Zugriff unbedingt benötigt.

Funkempfang

Den Funkempfang sollten Apps nur steuern dürfen, wenn es unbedingt nötig ist.

Um herauszufinden, welche Datenverbindungen am Computer gerade aktiv sind, klicken Sie in der Leiste unten rechts auf das Sprechblasensymbol. Um das volle Menü zu bekommen, müssen Sie evtl. noch auf "Erweitern" klicken. Aktive Funkarten sind farbig hervorgehoben. Wenn zum Beispiel das WLAN farbig ist, heißt das aber nicht, dass Sie mit einem kabellosen Netzwerk verbunden sind. Es zeigt lediglich an, dass das WLAN-Modul Ihres Gerätes aktiv ist.

Weitere Geräte

Das Synchronisieren von Daten zwischen dem Windows-10-Gerät und weiteren sollten Sie Apps nur dann erlauben, wenn Sie den Programmen vertrauen und wissen, was mit Ihren Daten geschieht.

Hintergrund-Apps

Welche Programme dürfen im Hintergrund und von Ihnen unbemerkt Daten austauschen? Das können Sie hier für jede einzelne App festlegen.

App-Diagnose

Welche App darf auf die Diagnosedaten zugreifen, die Windows während Ihrer Arbeit sammelt? Das können Sie in diesem Punkt bestimmen. Soll gar keine App darauf zugreifen dürfen, klicken Sie auf den kleinen blauen Regler, damit er anschließend "Aus" anzeigt.

Dokumente, Bilder, Videos, Dateisystem

Hier legen Sie fest, ob Windows-Programme auf die entsprechenden Dateien zugreifen dürfen. Sie können dies pauschal für alle verbieten oder jeweils weiter unten im Fenster für einzelne Apps die Zugriffe erlauben oder verbieten.

Einstellungen synchronisieren

Im Menü "Datenschutz" sind wir nun fertig. Klicken Sie also oben links auf den Pfeil, der nach links zeigt. Dadurch gelangen Sie zurück zum Bereich Einstellungen.

Sie können die Einstellungen Ihres Browsers, Ihres Hintergrundbilds und einige mehr an Microsoft senden, damit auch auf anderen Geräten alles gleich ist. Wenn Sie das aber nicht brauchen oder sogar nur ein Gerät nutzen, schalten Sie die Synchronisation ab. Dazu klicken Sie auf Konten. Bei "Einstellungen synchronisieren" schalten Sie die Synchronisierungseinstellungen komplett aus.

Lokales Konto einrichten

Brauchen Sie nicht unbedingt eine Verbindung zum Microsoft-Server, können Sie Ihr Gerät auch mit einem lokalen Konto nutzen. So wird nicht bei jedem Start direkt ein Server kontaktiert. Dazu klicken Sie in den Konto-Einstellungen auf "Ihre Infos" und dort auf "Stattdessen mit einem lokalen Konto anmelden". Nach der Eingabe Ihres aktuellen Passworts füllen Sie die Felder für das neue Konto aus.

Weshalb ist Datensparsamkeit allgemein wichtig? Nicht nur Werbung, sondern auch Vertragskonditionen, Preise und Rabatte können grundsätzlich an die Konsum- und Verhaltensprofile angepasst werden. In der Folge werden Verbraucher am Markt ungleich behandelt, was die Suche nach günstigen und geeigneten Angeboten erschweren kann.