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Die wahren Kosten von Gratis-Spiele-Apps

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Durch In-App-Käufe soll in Gratis-Spielen reelles Geld ausgegeben werden.
  • Prepaid-Gutscheine und Eigenverantwortung sind wirksame Kostenbremsen.
  • Auch wer kein Geld bezahlt, kann zahlreiche seiner Daten preisgeben.
  • Forderung: Spiele-Anbieter sollen notwendige Käufe und Kosten vor Installation des Spiels bekannt geben.
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Wer "kostenlose" Games auf Handy, Tablet oder PC installiert, wird rasch mit Verlockungen für schnelleres Zocken, höhere Levels und bessere Ausstattung der Avatare konfrontiert. Doch die haben ihren Preis: reelles Geld. Dank In-App-Käufen kann "Free to Play" spielend zur Abzocke werden. Allein im ersten Halbjahr 2016 verdienten Anbieter laut Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware rund 200 Millionen Euro mit In-App-Käufen bei Gratis-Spiele-Apps. Nicht vorgeschrieben ist nämlich, dass Spiele-Anbieter im Vorfeld angeben müssen, wie viel ein Nutzer verdaddeln kann.

Mal ist der Kauf-Button zentral platziert, mal öffnen sich während des Spiels laufend Fenster, die auf die Kauf-Option hinweisen. Oft sind es viele kleine Käufe, die sich am Ende zu einer großen Summe addieren können. Und wenn Zahlungsmethoden auf dem Smartphone hinterlegt sind, wird das Shopping besonders einfach.

Vor allem, wenn In-App-Käufe notwendig sind, um im Spiel weiterzukommen, sind die Kostenfallen ausgelegt. Wenn auf virtuelle Währungen gesetzt wird, vernebelt dies vor allem Kindern und Jugendlichen, dass sie echtes Geld ausgeben. Damit "Free to Play" nicht zum Alptraum wird, sind hier ein paar Tipps:

Was wird gespielt?

Free-to-Play-Spiele können als Browser-Games oder Apps auf Computern, Tablets oder Smartphones gespielt werden. Der schnelle und unkomplizierte Einstieg ist in der Regel kostenlos. Während des Spielverlaufs sehen sich Spieler dann häufig Wartezeiten oder anderen Nachteilen gegenüber zahlenden Spielern gegenüber. Zusätzliche kostenpflichtige Spielinhalte können das Warten verkürzen oder die Konkurrenzfähigkeit steigern. Erhältlich sind solche Goodies vor allem als In-App-Käufe.

In den Stores werden aber auch bloße Demo-Versionen von Spielen angeboten. Wem sie gefallen, der kann anschließend per In-App-Kauf alle Funktionen freischalten.
Wichtig: Geprüft werden sollte, ob fürs Weiterkommen in einem Spiel In-App-Käufe zwingend notwendig sind.

Wie wird kassiert?

Abgewickelt werden die In-App-Käufe über den jeweiligen App-Store oder über Benutzerkonten. Insbesondere Kreditkarten-, Konto- oder Handynummern sind dabei die Schlüssel für die Transaktion. Wer seine Daten dort gespeichert hat, kann den Kauf schnell abschließen. Ist obendrein nicht mal ein Passwortschutz aktiviert, braucht es für unbeabsichtigte In-App-Käufe nur einen Fingertipp. Alternativ lassen sich Guthaben auch mit Prepaid-Karten auffüllen.

Was bremst die Kosten?

Prepaid-Gutscheine nutzen und keine Zahlungsarten in den Shops speichern. Zusätzlich können In-App-Käufe mit einem Passwort geschützt oder auch vollständig deaktiviert werden. Die Betriebssysteme gehen dabei unterschiedliche Wege: Bei iOS von Apple kann man In-App-Käufe komplett deaktivieren (in den Einstellungen unter "Allgemein/Einschränkungen") oder so einstellen, dass man jedes Mal nach einem Passwort gefragt wird.

Android-Nutzer können In-App-Käufe nicht vollständig sperren. Sie können aber eine PIN oder ein Passwort festlegen, das sie bei jedem Einkauf, alle 30 Minuten oder nie eingeben müssen. Die Einstellung kann man im Google-Play-Store im Menü "Einstellungen" vornehmen. Dort muss der Punkt "PIN für Käufe verwenden" ausgewählt werden. Der Code sollte natürlich vor unbefugter Nutzung geschützt werden. Auch der eigene Fingerabdruck kann zur Authentifizierung genutzt werden, sofern das Endgerät einen entsprechenden Sensor besitzt.

Daten als Währung

Ein weiteres Geschäftsmodell bei Free-to-Play-Spielen basiert darauf, dass das kostenlose Spielen mit allerhand persönlichen Daten bezahlt wird. So hatte sich z.B. das Unternehmen hinter Pokémon Go, Niantic Labs mit Sitz in den USA, den Zugriff auf viele Daten der Nutzer vorbehalten und in seiner Datenschutzerklärung festgeschrieben, dass alle gesammelten und gespeicherten Daten der Firma gehören. Diese konnten dann für Werbezwecke gewinnbringend beliebig weiterverkauft werden. Mehr dazu im Online-Jugendmagazin checked4you. Deshalb Achtung: Nur wenn der Anbieter seinen Sitz in der EU hat, gelten für ihn europäische Datenschutzstandards – und danach ist die Weitergabe personenbezogener Daten ohne Einwilligung der Betroffenen nicht erlaubt.