Staffelübergabe bei der Verbraucherzentrale in Dortmund

Stand:
v.l.n.r.: Rafael Lech, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Helene Schulte-Bories

v.l.n.r.: Rafael Lech, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Helene Schulte-Bories

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Bei vier Umzügen einmal beinah rund um den Wall gewandert. Mit dem Team mehr als eine Million Anfragen und Anliegen von Ratsuchenden bewegt. Und vom Glykol im Wein über enttäuschte Beziehungen mit Partnervermittlern bis hin zu dreister Abzocke dubioser Inkassofirmen keinem Verbraucherproblem der Dortmunder aus dem Weg gegangen. Nach 35 Jahren verlässt Beratungsstellenleiterin Helene Schulte-Bories „ihre Verbraucherzentrale“ an der Reinoldistraße und gibt den Staffelstab an ihren Nachfolger Rafael Lech weiter. Bei den Verbraucherzentralen in Bochum, Witten und Gelsenkirchen hat er sein „Rüstzeug“ für die Leitung einer der größten Beratungsstellen in NRW gesammelt. 

Auch mit Mund-Nasenschutz und Abstand – Oberbürgermeister Ullrich Sierau zeigte sich beim offiziellen Termin zum Leitungswechsel überzeugt, dass die Beratungsstelle weiter nah an den Fragen und Problemen der Dortmunder sein wird. „Eine Stadt – viele Stärken: Die Beratungsstelle stellt täglich unter Beweis, dass Dortmund auch beim Verbraucherschutz stark ist, und Helene Schulte-Bories hat daran in den letzten 35 Jahren, in Worten dreieinhalb Jahrzehnte, einen enormen Anteil“, dankte er der scheidenden Beratungsstellenleiterin für die engagierte Arbeit.   

Sind Mikrowellen gefährlich? Wie werde ich den Kredithai wieder los? Darf meine Frau einen Vertrag unterschreiben? Muss ich für die In-Game-Käufe meines Sohnes zahlen? Zum Abschied wurde auch in den Blick genommen, welche Fragen Ratsuchenden in den vergangenen 35 Jahren auf den Nägeln brannten. „In der Beratung spiegelte sich immer auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt“, so Helene Schulte-Bories. So habe sich der Strukturwandel mit dem Wegfall vieler Arbeitsplätze in hohem Beratungsbedarf rund um die Themen Kredit, Verschuldung und Existenzsicherung niedergeschlagen. Mit der Abfall- und Umweltberatung wurde das wachsende Umweltbewusstsein und Dortmunds Weg zur „Hauptstadt des fairen Handels“ begleitet.

„Mein Dank gilt den Dortmunderinnen und Dortmundern, die uns als ihrer Anlaufstelle für Verbraucherprobleme über die vielen Jahre vertraut haben“, verabschiedet sich die Beratungsstellenleiterin von „ihren Ratsuchenden“: „Ausdrücklich bedanken möchte ich mich auch bei den politisch Verantwortlichen und der Verwaltung der Stadt Dortmund, die unsere Arbeit immer unterstützt und unkompliziert Wege gefunden hat, um Verbraucherarbeit vor Ort auf ein solides Fundament zu stellen.“  Gleichzeitig freut sich die langjährige Leiterin ihre Arbeit in so gute Hände an den Nachfolger übergeben zu können.  
Zum 20. Geburtstag hatte der damalige Oberbürgermeister Günther Samtlebe als Geschenk die „dritte Stelle“ für eine weitere Beratungskraft mitgebracht – was die dringend benötigte personelle Verstärkung bedeutete. Bei der Aktion „Stopp für Kinderfänger“ hat die Beratungsstelle Quengelware in Kassenzonen den Garaus gemacht. In guter Erinnerung auch, als man zum 40-Jährigen der Beratungsstelle auf die Straße gegangen ist: Bei einem Verbraucherfest im Brückstraßenviertel gab es nicht nur Informationen, Quiz und Mitmachangebote, sondern auch „Comedy aus dem Verbraucherleben“.

Aktuell hat Corona auch vor der Beratungsstelle nicht Halt gemacht: „Statt mit persönlicher Beratung waren wir einige Wochen nur telefonisch oder über Onlinekanäle für Ratsuchende da. Mitte Mai haben wir die persönliche Beratung nach Terminvereinbarung schrittweise wieder aufgenommen“, blickt Helene Schulte-Bories auf die bisher unbekannte Zeit ohne direkten Austausch zurück. Ob Gutscheine statt Geld für ausgefallene Veranstaltungen und ungenutzte Fitnessstudio-Abos, Zahlungsschwierigkeiten oder Probleme rund ums Reisen – die Anfragen zeigten einmal mehr wieder die aktuellen Probleme der Menschen in der Krise.

Der neue Leiter Rafael Lech bringt nicht nur die nötige Erfahrung im Verbraucherschutz und aus anderen Beratungsstellen mit, sondern kennt als Dortmunder auch bereits die Stadt von Kindesbeinen auf an. „Ich bin froh, dass ich in Dortmund auf ein gutes lokales Netzwerk vertrauen kann. Denn die bewährten Kooperationen mit der Verwaltung, der EDG, mit DEW21, dem Jobcenter, Wohlfahrtsverbänden, Gesundheits- und Umweltamt, den Frauenverbänden, dem Agendabüro und anderen machen es sicher leicht, hier Fuß zu fassen und gemeinsam für die Menschen der Stadt etwas zu bewegen“, freut sich der 40-jährige Jurist, der bislang die Beratungsstelle in Gelsenkirchen geleitet hat. Und hofft, dass ihm die Dortmunder diese Station nachsehen – das Herz des Dortmunder Jungen schlägt schwarz-gelb.