Stichprobe bei zehn Geldinstituten zu Online-Girokonten

Pressemitteilung vom

Stichprobe bei zehn Geldinstituten zu Online-Girokonten: Teurer Zwangsausflug in die analoge Bankenwelt

Viele Geldinstitute planen derzeit eine saftige Erhöhung der Entgelte fürs Girokonto. Da kann es sich rechnen, auf ein reines, oft sogar kostenloses Onlinekonto zu wechseln. Doch Obacht: Wenn mal der Zugang zum Internet verwehrt sein sollte, kann es auch hier teuer werden. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei zehn Geldinstituten.

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Schnell, einfach und oftmals sogar kostenlos - das schätzen Kunden am Onlinebanking gegenüber dem klassischen Filialkonto.

Doch wie und zu welchen Kosten lassen sich Transaktionen durchführen, wenn der PC oder WLAN streiken und dringende Bankgeschäfte wie etwa Termin-Überweisungen zu erledigen sind?

Diese Frage hat die Verbraucherzentrale NRW zehn Geldinstituten vorgelegt. Das Ergebnis: Auch bei Online-Kontoführung lassen sich Transaktionen auf dem Papierweg oder zuweilen auch telefonisch abwickeln. Allerdings langen einige Institute dabei kräftig zu.

Der Modellfall: Weil der PC streikte, war das Onlinekonto nicht mehr zugänglich, so dass vier dringende Überweisungen sowie die kurzfristige Änderung eines Dauerauftrags auf anderen Wegen veranlasst werden mussten. Darüber hinaus sollte der monatliche Kontoauszug zugänglich gemacht werden. Weil der Beispielkunde nur über ein einfaches Handy verfügte, blieb Smartphone-Banking unberücksichtigt.

Die Stichprobe enthielt mit ING-DiBa, DKB und Comdirect drei Direktbanken, von denen die DKB sich als reines Onlineinstitut präsentierte. Überraschend daher: In Ausnahmefällen und nach telefonischer Rücksprache akzeptierte die DKB auch per Post zugesandte Papierüberweisungen und Änderungsanweisungen für einen Dauerauftrag - ohne dafür etwas zu berechnen. Für den Versand des Kontoauszugs beließ es die DKB bei einem Euro.

Kunden der ING-DiBa stand als Alternative das kostenlose Telefonbanking zur Verfügung, für den Kontoauszug per Post wurde lediglich das Porto berechnet.

Scheinbar besser dran waren Comdirect-Kunden. Sie konnten nicht nur das Telefonbanking nutzen, sondern ihre Belege in den Filialen der Commerzbank einreichen. Ärgerlich nur: 1,90 Euro kostete jeder Beleg- oder Telefonauftrag, dazu kamen 1,50 Euro pro verschicktem Kontoauszug. Das addierte sich auf stolze elf Euro.

Doch es ging noch teurer - und das ausgerechnet bei den Filialbanken, den Spezialisten für analoge Geldgeschäfte. Am kräftigsten langte die Targobank hin. Sie verlangte beim Onlinekonto happige 3,50 Euro pro Auftrag, wenn der in der Filiale oder per Telefonbanking aufgegeben wurde.

Merkwürdig: Während am SB-Terminal die Überweisung ebenfalls 3,50 Euro kostete, waren die Änderung des Dauerauftrags und der Druck des Kontoauszugs kostenfrei. So summierten sich die Kosten auf mindestens 14 Euro. Wer sich den Weg in die Filiale sparen wollte, musste weitere 3,50 Euro für die telefonische Änderung des Dauerauftrags und 2,50 Euro für die Zusendung des Kontoauszugs kalkulieren. Insgesamt waren so exakt 20 Euro für den heimischen Internetausfall zu berappen.

Zwischen 8,20 und 13,20 Euro kassierten wiederum HypoVereinsbank, Stadtsparkasse Düsseldorf, Commerzbank und Deutsche Bank für den Test-Service, wenn der Schalter oder das Telefon bemüht wurde. Kostenlos war dagegen zumeist die Abwicklung per SB-Terminal.

Kurios: Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf kamen Onlinekunden weder über den Kontoauszugsdrucker noch über den Postversand an Kontoauszüge.

Vergleichsweise günstig war der Service bei der Postbank. Sie kassierte 99 Cent pro Papierüberweisung sowie 90 Cent für den Versand des Kontoauszugs. Telefonbanking gab´s zum Nulltarif.

Getoppt wurde das nur von der Sparda West. Hier fielen allein Portokosten für den Kontoauszug an, Filialbesuch und Telefonbanking waren komplett kostenlos.

Tipp der Verbraucherzentrale daher: Wer ein reines Online-Konto führt, sollte unbedingt in das Gebührenverzeichnis schauen, bevor er Papierbelege einreicht. Bei vielen Geldinstituten ist es für Online-Kunden günstiger, die SB-Terminals zu nutzen anstatt Überweisungsvordrucke am Schalter abzugeben.

Das größte Sparpotenzial bei Internetproblemen hat jedoch, wer das gesicherte Netz und den PC von Freunden oder Verwandten nutzen kann.

Riskant ist es, in der Not fremde Rechner wie etwa im Internetcafé fürs Onlinebanking zu nutzen. Denn der Browser speichert Daten der letzten Verbindungen zwischen. So können unter Umständen Kriminelle später Infos über Bankgeschäfte auslesen, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Deshalb sollte der Zwischenspeicher (Cache) des Browsers in jedem Fall nach der Transaktion gelöscht werden.

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