Stichprobe bei Onlineshops: Tricksen mit Versandkosten

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Stichprobe bei Onlineshops: Tricksen mit Versandkosten

Mal für die komplette Lieferung, mal für jeden einzelnen Artikel, mal kostenlos oder mit sattem Aufpreis: Onlinehändler legen ihre Versandkosten nach eigenem Ermessen fest. Wenn sie zudem noch weitere Shops betreiben, etwa am Amazon-Marketplace oder bei eBay, fahren die Verschickungskosten und der Gesamtpreis oft Achterbahn. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW.

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Versandkosten sind das große Mysterium des Onlinekaufs. Dabei gilt generell: Shops dürfen nicht nur das Porto, sondern auch ihre Auslagen fürs Handling und Verpacken an die Kunden weitergeben. Sie müssen jedoch über die veranschlagten Versandkosten vor Abgabe der Bestellung korrekt informieren.

Doch wer Händler vergleicht, stößt auf eine verwirrende Welt: Mal ist eine Sendung kostenlos, mal werden anfallende Portokosten umgelegt, mal satte Aufschläge gefordert. Staffelungen finden sich je nach Gewicht der Ware im Paket oder ob per Rechnung, Kreditkarte oder Paypal bezahlt wird. Manche kassieren sogar abhängig vom Warenwert unterschiedliche Versandkosten.

Immer wieder stolpern Käufer über eine Merkwürdigkeit, die sich vor allem auf Online-Marktplätzen findet. Dort hatten sie beim selben Händler mit jedem weiteren Artikel im Warenkorb automatisch zusätzliche Versandkosten bezahlt. Und das, obwohl die gesamte Bestellung später in einem Paket oder Päckchen eintrudelte.

Typisch dafür ist eine Beschwerde aus dem Amazon-Marketplace: drei Taschenbücher für je zwei Euro bestellt - und dafür dreifache Versandkosten von je drei Euro gelöhnt. Auf eine Teilerstattung mochte sich der Händler partout nicht einlassen.

Noch kunterbunter wird das Durcheinander, wenn man Firmen anschaut, die nicht nur einen eigenen Shop, sondern noch weitere Dependancen etwa bei Amazon und eBay betreiben. Fünf solcher Händler hat die Verbraucherzentrale NRW unter die Lupe genommen. Im Fokus stand dabei ein Vergleich der jeweiligen Preise und Versandkosten.

Schon der erste Händler überraschte: Er vertrieb eine ein Quadratmeter große Holzfliese für jeweils rund 20 Euro.

Merkwürdig: Per Sperrgut kostete der Versand via Amazon rund 23 Euro - sieben Euro weniger als im eigenen Shop. Anders bei Lieferung von fünf Fliesen. Während es im eigenen Shop bei knapp 30 Euro fürs Sperrgut blieb, waren bei Amazon dafür nun satte 83 Euro fällig.

Wild kalkulierte auch ein Konkurrent für ein Paket kleiner Fliesen. Er lockte auf eBay und im eigenen Shop mit kostenlosem Versand bei einem Warenpreis von knapp 30 Euro. Ähnlich lag sein Gesamtpreis bei Amazon, wovon allerdings rund neun Euro auf den Versand fielen.

Wer drei Pakete orderte, stellte sich beim Gesamtpreis seltsamerweise via Amazon weitaus besser. Statt 90 Euro mit weiterhin kostenlosen Versand, wie in den beiden anderen Shops, waren hier nur rund 75 Euro (60 Euro plus 15 Versand) zu berappen.

Solche Tricksereien mit den Lieferkosten waren es, die den Endpreis in den verschiedenen Shops eines Anbieters Achterbahn fahren ließen. Die Stichprobe bei den fünf Händlern zeigte: In jeder der drei Einkaufsmöglichkeiten (eBay, Amazon, Shop) konnte das günstigste Angebot eines Händlers versteckt sein.

In einen Extra-Preis-Looping schickten einige Händler ihre Kunden, wenn die die Menge des Wunschartikels erhöhten - etwa von eins auf drei. Im Check der Verbraucherzentrale überschlugen sich danach wiederholt die Preise - eine Folge der unterschiedlichen Versandkosten in den Shops. Nun hatte plötzlich eine andere Einkaufsmöglichkeit die Nase vorn.

Das kann ärgerlich für Nutzer von Preissuchmaschinen sein. Denn die zeigen in der Regel lediglich den Gesamtpreis (Warenpreis plus Versand) für einen Artikel an.

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