Stichprobe bei 50 großen Onlinehändlern

Pressemitteilung vom

Stichprobe bei 50 großen Onlinehändlern: Nur jeder zweite Shop liefert schnell

Zeit ist Geld - das gilt besonders beim Onlineshopping. Wer seine Bestellung am Folgetag in Empfang nehmen will, zahlt meist ordentlich drauf. Das ist das Ergebnis einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW in 50 großen Shops. Obendrein verwirren und verärgern eigenwillige Bedingungen.

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Blitzschnell gekauft - und dann auf die Lieferung gewartet, oftmals vier Tage und mehr. Das ist derzeit das Los vieler Onlinekäufer. Doch für Ungeduldige erhöhen immer mehr Shops das Liefertempo - und lassen sich den Service extra bezahlen. Das zeigen Besuche der Verbraucherzentrale NRW in 50 umsatzstarken Internetläden.

Das Ergebnis: Knapp die Hälfte (23) der Shops bot ihren Kunden für "Artikel auf Lager" eine Paketzustellung am nächsten Tag an. Dabei schwankten die Preise für den Aufschlag zu den üblichen Versandkosten zwischen vier (Esprit) und 16 Euro (Cyberport). Zumeist waren es rund zehn Euro.

Ein Sonderfall war Amazon. Der Branchenprimus sammelte treue Kunden im Prime-Club. Dessen Mitglieder erhielten für 49 Euro im Jahr die meisten Produkte ohne Aufpreis am Folgetag. Ohne Prime-Status waren dafür sechs Euro pro Paket fällig.

Merkwürdig: Vom Internet zum Telefonhörer wechseln mussten Besteller im Technikshop Redcoon. Nur so gab`s die rasche Zustellung, die zudem allein per Nachnahme (zwölf Euro extra) bezahlt werden konnte. So fielen für jedes schnelle Redcoon-Paket insgesamt Kosten in Höhe von 26,99 Euro an.

Obacht war bei allen Händlern in der Stichprobe geboten. Denn Kunden sahen sich immer wieder mit abweichenden Regeln konfrontiert. Das offenbarte ein Blick in die Lieferbedingungen des jeweiligen Versenders.

Bei 15 Shops hieß es, sich zu sputen mit der Bestellung. Bis spätestens 14 Uhr musste die Order eingegangen sein, um noch am nächsten Tag einzutrudeln. Esprit, Real und Heine etwa setzten gar 11 bis 12 Uhr als Limit.

In acht Shops konnten sich Kunden mehr Zeit nehmen: bis 16 oder 18 Uhr. Notebooksbilliger versprach sogar noch Bestellungen, die bis 22 Uhr reinkommen, am nächsten Tag auszuliefern. Und das zudem relativ früh. Spätestens um 12 Uhr sollte der Paketbote klingeln. Die Mehrheit dagegen mochte sich zeitlich nicht festlegen.

Doch es ging durchaus noch schneller. "Same-Day-Delivery" heißt die neue Liefer-Autobahn, die Käufer und Ware noch am selben Tag zusammenbringen soll. Bei sechs Anbietern in der Stichprobe ließ sich dieser Blitz-Trip bereits buchen. Allerdings mit vielen Einschränkungen.

Saturn und MediaMarkt beispielsweise offerierten eine flotte Zustellung innerhalb von drei Stunden für 14,95 Euro. Bedingung: Die Lieferadresse durfte nicht mehr als 14 Kilometer von dem am Service beteiligten Markt entfernt liegen. Für vorrätige Artikel war eine Express-Order bis 16.15 (MediaMarkt), bzw. 16.45 Uhr möglich. Ausgeschlossen waren Filme mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren sowie der Montageservice.

Ähnlich lief`s bei Alternate. Am selben Tag geliefert wurde hier lediglich "in Ballungsgebieten": für 9,95 Euro zwischen 18 und 22 Uhr. Cyberport beschränkte seinen "Eilt-Lieferservice" auf zehn Städte bundesweit und berechnete dafür pauschal 14,99 Euro.

"Morgens bestellt, abends geliefert" gelobte auch Amazon. Sein Evening-Express brauste zwischen 18 und 21 Uhr durch "14 Metropolregionen". Für Prime-Mitglieder brachte er "qualifizierte Bestellungen ab 20 Euro" kostenfrei. Für billigere Produkte zahlten Primer einen Aufschlag von fünf Euro pro Artikel. Wer dem Club nicht angehörte, berappte stets 9,99 Euro für den Tages-Service - allerdings pro Lieferung.

Ebenfalls kurios: Amazon ließ auch einen "Morning-Express" fahren, der Bestellungen bis 12 Uhr am Folgetag ins Haus bringen sollte. Fünf Euro je Artikel extra kostete die Tour für Prime-Mitglieder.

Für Cleverles aus den Metropolen rechnete sich jedoch eher der "Evening-Express". Denn der lieferte nicht nur meist kostenlos, sondern bei früher Bestellung auch schon am selben Abend.

Weitaus tiefer in die Tasche greifen musste, wer Conrad schnelle Beine machen wollte: Für eine "Eil-Lieferung am gleichen Tag" kassierte der Elektronik-Shop "1,18 Euro je Kilometer" mindestens jedoch 32,50 Euro.

Für das Wunschprodukt "in drei Stunden" stieg die Kilometerpauschale sogar auf 1,43 Euro. Möglich war dabei ein Radius von bis zu 150 Kilometern zur nächsten Conrad-Filiale. Wer sich den Drei-Stunden-Service gönnte, latzte so im teuersten Fall satte 214,50 Euro.

Gar die 500-Euro-Grenze knacken konnte, wer weit entfernt von der Zentrale in der Oberpfalz den "Blitzlieferservice" anheuerte, der für Conrad-Kunden Tag und Nacht, an Sonn- und Feiertagen parat steht.

Dafür gab´s immerhin auch eine Liefer-Garantie. Sprich: Falls die Ware nicht pünktlich eintreffe, sollten Kunden die Mehrkosten für den Versand retour bekommen. Eine solche Zusage gaben beispielsweise auch Amazon, Otto und Redcoon.

Tipp: Wer negative Erfahrungen mit der Auslieferung eines Express-Pakets gemacht hat, kann den Ärger auch bei der Verbraucherzentrale abladen. Sie sammelt gezielt Beschwerden über Paketdienste und fordert Unternehmen zur Stellungnahme auf. Adresse: www.paket-ärger.de.

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