Stichprobe bei 15 Geldinstituten: Berappen trotz Gratis-Girokonto

Pressemitteilung vom

Stichprobe bei 15 Geldinstituten: Berappen trotz Gratis-Girokonto

Die Verbraucherzentrale NRW hat bei 15 Geldinstituten geprüft, wie sie es in Zeiten der Nullzinsen und Gebührenerhöhungen mit dem Gratis-Girokonto für alle halten. Das Resultat: Viele Institute werben immer noch mit "gebührenfrei" oder "0 Euro Grundpreis" – aber oftmals verbergen sich Kosten im Kleingedruckten.

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Der Trend ist eindeutig: Kein gebührenfreies Konto fand sich bei vier Geldinstituten im Check. Deutsche Bank, HypoVereinsbank, die Sparkasse Köln-Bonn und die Dortmunder Volksbank verlangten selbst bei Online-Kontoführung Monatsentgelte zwischen einem und 4,99 Euro.

Bei der Aachener Bank endete die gebührenfreie Online-Kontoführung ab dem 51. Buchungsposten im Monat. Für jeden weiteren Posten wurde kassiert.

Gebührenverzicht ohne Mindestgeldeingang leisteten nur vier Direktbanken: ING-DiBa, Comdirect, DKB und Norisbank. Die Sparda-West verlangte zwar keinen monatlichen Mindesteingang, führte das gebührenfreie Konto jedoch nur als Gehalts- oder Rentenkonto.

Die meisten anderen Institute in der Stichprobe forderten monatliche Einbuchungen zwischen 600 und 1250 Euro. Die Postbank konnte gebührenfrei nur für Gutverdiener: Wer beim einzig verbliebenen gebührenfreien Kontomodell "Giro extra plus" nicht mindestens 3.000 Euro monatlichen Geldeingang vorweisen konnte, zahlte 9,90 Euro im Monat.

Beim echten "kostenlosen Konto" sollte natürlich auch die Bankkarte mit enthalten sein. Ohne Aufpreis gab es die bei allen Anbietern - außer der Sparda-West, die zehn Euro pro Jahr forderte. Wer eine Kreditkarte braucht, sollte wissen: Gratis gab es die nur von der Postbank, ING-DiBa, Comdirect, DKB und VW-Bank. Die Konkurrenten kassierten mindestens 12 bis 40 Euro jährlich.

Günstige Kontomodelle setzten zumeist die Online-Kontoführung voraus. Doch was ist, wenn der Zugang zum Internet mal nicht möglich ist, wenn Netz oder PC streiken? Nur Sparda-West, und ING-DiBa führten Papier-Überweisungen standardmäßig ohne Extragebühr aus.

Bei der Targobank brauchte es dafür das "Komfort-Konto", das jedoch erst ab 2.000 Euro monatlichem Geldeingang keine Kosten verursachte. Kunden der Norisbank konnten immerhin noch die SB-Terminals der Konzernmutter Deutsche Bank gebührenfrei nutzen, um ihre beleghaften Überweisungen einzuscannen. Besonders teuer war das Online-Konto der Targobank, wo das Institut pro Papier-Überweisung 3,50 Euro aufrief.

Wichtig ist auch der Zugang zu kostenlos nutzbaren Geldautomaten in der Nähe. Andernfalls können gerade bei Direktbanken hohe Kosten anfallen. Mit dem dichtesten Netz punkteten die Sparkassen, die bundesweit knapp 25.000 Geldautomaten vorhielten. Mit Abstand dahinter lagen Volksbanken, Raiffeisenbanken und PSD-Banken mit 19.000 Automaten.

Die Cash-Group ermöglichte Kunden von Deutscher Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank und Postbank Gratis-Zugang zu 9.000 Geldautomaten. Davon profitierten auch Kunden der Direktbankentöchter Comdirect und Norisbank.

Targobank, Sparda-Banken und einige weitere kleinere Geldinstitute verfügten hingegen mit ihrem Cash-Pool nur über rund 3.000 Geldautomaten.

Einen Sonderweg beschritten ING-DiBa, DKB und VW-Bank. Die Direktbanken werben, dass ihre Kunden mit der Visa-Kreditkarte an bundesweit über 50.000 Geldautomaten kostenlos Geld abheben können. Allerdings haben etliche Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Geldautomaten für Kreditkarten von Direktbanken gesperrt.

Die Folge: Befindet sich kein anderer Geldautomat in der Nähe, müssen Direktbankkunden die Bankkarte einsetzen – und dann kassiert das automatenaufstellende Geldinstitut happige Kosten.

Fazit: Verbraucher sollten kritisch prüfen, ob ein als gebührenfrei beworbenes Kontomodell wirklich gratis ist. Im Check der Verbraucherzentrale konnten bei jeder Bank je nach Umstand Kosten entstehen. Im Blick behalten werden sollten neben möglichen Extragebühren für Karten, beleghafte Überweisungen, oder das Abheben von Bargeld auch Regelungen zum Mindestgeldeingang. Wer obendrein immer wieder mal den Dispo strapaziert, sollte die Höhe der Zinsen beachten.

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