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Lebensmittel: Zwischen Wertschätzung und Verschwendung

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jahr für Jahr landen in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro im Müll. Um diese Menge zu transportieren, sind 440.000 Sattelschlepper notwendig. Hintereinander gestellt, ergibt das die Strecke von Oslo nach Lissabon und zurück.

  • Zur Verschwendung tragen alle bei: Hersteller, Landwirtschaft, Handel und Verbraucher.

  • Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln wirkt sich negativ sowohl auf die Umwelt und die Ressourcen als auch die Versorgung vor allem der Bevölkerung in den ärmeren Ländern aus.

  • Wer beim Einkauf und auch zu Hause einige Tipps beherzigt, kann dazu beitragen, dass weniger Nahrungsmittel verschwendet werden.
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Zu groß, zu klein, kleine Macken - trotzdem lecker
Foto: Fotolia.com /M. Studio

Verschwendung vom Acker bis zum Teller

  • In der Landwirtschaft werden Erzeugnisse, die nicht marktfähig sind untergepflügt, weil sie in Form, Farbe oder Größe abweichen oder zu niedrige Preise erzielen.
  • Sensible Lebensmittel, wie Erdbeeren sind empfindlich. Transport und Lagerung müssen fachgemäß erfolgen.
  • Beim Hersteller wird eine Überproduktion vernichtet, weil bei schlechtem Wetter weniger Grillwürste bestellt wurden.
  • Der Handel entsorgt Lebensmittel kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.
  • Bäckereien bieten Brot vom Vortag nicht mehr an, sondern werfen es weg,
  • In Kantinen müssen Buffetreste aus hygienischen Gründen entsorgt werden und
  • Verbraucher kaufen oder kochen zuviel oder lagern Lebensmittel falsch.

 

Was in Haushalten weggeworfen wird, zeigt die folgende Grafik

Verschwendung von Lebensmitteln

 

Verlorene Wertschätzung für Lebensmittel

Aus der Wertschätzung von Lebensmitteln ist inzwischen eher eine Geringschätzung geworden. Zurückzuführen ist dies auf den ständigen Preiskampf des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland. In der Folge sind die Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel von 1950 mit 50 Prozent des Haushaltseinkommens auf aktuell nur noch 9,5 Prozent gesunken. Lebensmittel sind immer billiger geworden. Und die "Geiz ist Geil"-Mentalität wird weiter geschürt, denn es vergeht kein Tag ohne Werbung mit neuen Sonderangeboten.

Der Trend zu Fast Food und Fertigprodukten hält ungebrochen an. Der veränderte Alltag und die Zeitknappheit haben dazu geführt, dass inzwischen fast 40 Prozent der Lebensmittelausgaben in der Außer-Haus-Verpflegung erfolgen – mit steigender Tendenz. Das damit Kenntnisse und Kompetenzen der Lebensmittelauswahl, Lagerung und Zubereitung "auf der Strecke" bleiben, liegt auf der Hand.

Auswirkungen auf Umwelt, Ressourcen und Versorgung

  • Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel ist ein hoher Verbrauch an Energie, Wasser und anderen Rohstoffen in der Kette vom Anbau bis zum Handel verbunden. Beispielsweise werden für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen unnötig "genutzt".
  • Lebensmittelverluste wirken sich auch negativ auf das Klima aus. Der vermeidbare Lebensmittelmüll der EU verursacht im Jahr die gleiche CO2-Menge klimaschädliche Gase wie die Niederlande.
  • Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landet nutzlos in der Tonne - insgesamt etwa 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr. In vielen armen Ländern der Erde ist dagegen die Versorgung mit Nahrungsmitteln schwierig, auch weil Ackerflächen für den Lebensmittelexport und unsere Ernährungsgewohnheiten belegt werden.
  • Lebensmittelverluste erhöhen die Nachfrage nach Rohstoffen wie Getreide. Dadurch wiederum steigen die Preise für wichtige Grundnahrungsmittel, wovon arme Länder besonders betroffen sind.

Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen im Haushalt

Wir alle können jedoch schon heute damit beginnen, denn über die Hälfte aller Lebensmittelabfälle im Haushalt ist vermeidbar. Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln kann zu Einsparungen von 230 Euro pro Person und mehr führen. Damit tun Sie nicht nur Gutes für den Umwelt- und Klimaschutz, sondern schonen gleichzeitig Ihren Geldbeutel.

Zu Hause

Im Durchschnitt wirft heute jeder Bundesbürger im Jahr circa 80 Kilogramm Lebensmittel weg; zwei Drittel davon sind vermeidbarer Lebensmittelmüll.

  • Checken Sie vor dem Einkauf ihre Vorräte und notieren Sie die notwendigen Einkäufe.
  • Behalten Sie den Vorrat immer im Blick, damit keine Lebensmittel in Vergessenheit geraten.
  • Planen Sie die Speisen für die nächsten zwei Tage im Voraus und gemäß Ihres Bedarfs ein (in der Familie hinterfragen, wer wann mit isst).
  • Werden Sie kreativ - planen Sie Ihre vorhandene Lebensmittel in ihre Speisen mit ein
  • Hat eine Paprika, ein Zucchino oder Obst eine Delle? Schnell verwerten, bevor das Obst/Gemüse zu schimmeln beginnt.
  • Bereits ein wenig überreifes Obst kann gut zu Kompott, Marmelade oder im Kuchen verarbeitet werden.
  • Kühlschrank und Vorratskammer regelmäßig reinigen.
  • Übrig gebliebene Speisen in geschlossenen Behältern einfrieren bzw. kühl lagern und am nächsten Tag verzehren (zum Beispiel mit zur Arbeit nehmen)

 

Beim Einkaufen

  • Gerade frische und leicht verderbliche Lebensmittel wie Brot und Obst/Gemüse, in bedarfsgerechten Mengen kaufen.
  • Vermeiden Sie möglichst Spontankäufe sowie den Großeinkauf von Sonderangeboten - außer Sie wissen, dass Sie die verbilligten Waren in den nächsten Monaten aufbrauchen werden.
  • Noch schnell in den Supermarkt, weil Zutaten für das Abendessen fehlen? Kaufen Sie doch dann auch mal Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, und greifen Sie nicht ganz hinten ins Regal.
  • Lassen Sie Ihren Supermarkt wissen, dass Sie es sehr wohl akzeptieren, am Abend keine riesige Auswahl mehr an Brot oder Gemüse zu bekommen.
  • Sie haben einen Hofladen in der Nähe - kaufen Sie dort auch mal Obst und Gemüse, hier gibt es auch mal die krumme Gurke!