Gentechnik mit neuen Verfahren: Regulierung notwendig

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Das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen soll gezielter und vor allem kostengünstiger verändert werden als mit herkömmlichen gentechnischen Verfahren. Neue molekularbiologische Techniken wie die CRISPR/Cas-Methode ("Gen-Schere") sollen dies ermöglichen – das Erbgut kann umgeschrieben werden. Daher spricht man von Genome Editing. In den USA sind so hergestellte Produkte wie Champignons und Äpfel, die nach dem Anschneiden nicht braun werden, oder Sojabohnen mit einem veränderten Fettsäureprofil schon verkaufsfähig.

Bislang gibt es keine systematische Risikobewertung der neuen gentechnischen Verfahren. Selbst wenn ein Eingriff ins Erbgut präziser erfolgen kann als mit den bisherigen gentechnischen Methoden, ist dies nicht gleichbedeutend mit mehr Sicherheit. Aus Gründen des vorsorgenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes muss daher das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip angewendet werden – besonders, da es sich um noch nicht lange angewendete Verfahren handelt und kein gesichertes Wissen vorliegt.

Der Europäische Gerichtshof hat am 25. Juli 2018 die Grundsatzfrage bejaht, dass die neuen Methoden unter das Gentechnikrecht fallen. Die Verbraucherzentrale NRW begrüßt diese Entscheidung (Az. C-528/16) ausdrücklich. Denn nur eine Regulierung über das Gentechnikrecht gewährleistet ein verpflichtendes Zulassungsverfahren mit einer Risikobewertung für Mensch und Umwelt. Demgemäß heißt das auch für die neuen Verfahren: Hersteller werden verpflichtet, spezifische Nachweisverfahren für ihre Produkte zur Verfügung zu stellen, die eine Kontrolle ermöglichen. Ein Monitoring über die Auswirkungen der Produkte auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit kann dann dazu dienen, eventuelle schädliche Effekte früh zu erkennen. Die Kennzeichnung wird es Verbrauchern ermöglichen, sich für oder gegen diese Produkte zu entscheiden.

Verbraucher stufen die neuen Verfahren als Gentechnik ein und lehnen sie im Lebensmittelbereich mehrheitlich ab.