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Pionier aus Castrop-Rauxel: Markus Lieder

Markus Lieders aus Castrop Rauxel
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Da hat man sich ein bisschen reingesteigert

Das älteste Solarmodul auf Markus Lieders Grundstück ist nur wenige Quadratzentimeter groß, hängt am Gartenhaus und versorgt dort drei kleine Lampen. Wer davor steht und sich ein bisschen umsieht, merkt allerdings schnell: Das war erst der Anfang. Süddach, Norddach, Schuppendach und sogar das kleine Dach des Fahrradunterstands – bei Familie Lieder ist das alles photovoltaisch genutzte Fläche. Dazu ein Balkonmodul auf der Terrasse und ein Elektroauto vor der Tür. "Da hat man sich ein bisschen reingesteigert", sagt der Castrop-Rauxeler achselzuckend.

Markus Lieders aus Castrop Rauxel

Sonnenenergie als Hobby

2014 ließ Lieder die erste Solarstromanlage auf das Süddach seines Reihenhauses bauen. Ganz normal, vom Fachbetrieb, mit 5,8 kWp Leistung. Ein Bausparvertrag sei fällig gewesen, und die Stromerzeugung damals einfach die beste Anlagemöglichkeit, erklärt der 43-Jährige. Eine pragmatische Entscheidung. Doch dann packte ihn das Thema.

Der gelernte Industriemechaniker und Chemikant arbeitete sich tief ein in die Materie, machte die Sonnenenergie zu seinem Hobby. Noch im selben Jahr konzipierte und montierte er seine nächste Solaranlage samt Batteriespeicher einfach selbst: Auf dem Gartenhaus, ohne Anschluss an das öffentliche Netz, nur für den Eigenverbrauch.

"Vor Elektrik hatte ich nie Angst", sagt er. Im engen Austausch mit einem Fachbetrieb setzte er seine Pläne eigenhändig in die Tat um.
 

Mit einem Fachbetrieb setzte er seine Pläne eigenhändig in die Tat um.
Markus Lieders aus Castrop Rauxel


Anfangs stöpselte die fünfköpfige Familie abends noch von Hand ein Kabel um und schaute dann fern mit Strom aus der Batterie. Nach einem gescheiterten Versuch mit einer Kleinwindanlage auf dem Norddach des Reihenhauses setzte Lieder ab Frühjahr 2016 auch dort auf Sonnenstrom Marke Eigenbau. Im Frühling des folgenden Jahres schließlich wurde das Haus zur Solartankstelle für den neuen elektrischen Kompaktklassewagen der fünfköpfigen Familie. Natürlich mit eigenhändig zusammengesetzter Wandladestation.

"Ursprünglich wollten wir eigentlich nur einen Automatikwagen kaufen",  berichtet Lieder. Seine Frau aber regte an, angesichts von knapp 8.000 selbst erzeugten Kilowattstunden im Jahr doch auch elektrisch zu fahren. Die Idee reifte, mögliche Modelle wurden gesichtet und vor allem bei den asiatischen Herstellern gefunden.

Damit kommt ihr doch nicht weit, ihr seid verrückt!

Im Bekanntenkreis rief der Gedanke an ein E-Auto zunächst viel Skepsis hervor. "Damit kommt ihr doch nicht weit, ihr seid verrückt", habe es geheißen, berichtet Lieder. Doch beirren ließen er und seine Familie sich davon nicht. Zwar erreichten die Lieders mit dem 30 kWh-Akku ausgerechnet auf der ersten längeren Fahrt tatsächlich nur mit Müh und Not noch eine Ladesäule. Doch mit etwas Erfahrung und guter Planung passiert das heute nicht mehr. Erfahrungsgemäß rund 175 Kilometer weit bringt es der Akku unter den besten Bedingungen im Sommer.

Elektromobilität soll Normalität werden

Ein dichteres Netz von Ladegelegenheiten wäre allerdings schon ein Muss, sagt Markus Lieder. Gerade mal eine einzige öffentliche Ladesäule mit 22 kW Leistung in ganz Castrop-Rauxel sei viel zu wenig. Einen "Tropfen auf den heißen Stein" nennt er den langsamen Zubau. Schließlich solle es für mehr Kinder zur Normalität werden, dass Autos keine stinkenden Abgase in die Umwelt pusten. So wie es das für seinen jüngsten, siebenjährigen Sohn bereits ist.

Als Pioniere oder Vorreiter sehen sich die Lieders aber nicht. Auch wenn es noch wenige E-Autos gibt, erst recht mit "Sonne im Tank". Für sie ist das alles – ganz normal.

Markus Lieders aus Castrop Rauxel