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Rabatt für Neukunden: Belohnung mit Pferdefuß

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Gutscheine, Boni, Geld- und Sachprämien: Viele Unternehmen werben damit um neue Kunden. Eine Stichprobe bei 150 Firmen zeigt: Jede macht, was sie will.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tester der Verbraucherzentrale NRW haben nach Neukunden-Aktionen gesucht und gefragt.
  • Unternehmen können frei entscheiden, ob und wann und wem sie Geschenke machen.
  • Oft lassen sich Rabatte und Boni in regelmäßigen Abständen erneut abgreifen.
Zwei Hände mit Smartphone und Display-Aufschrift "10 % Neukundenrabatt"
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Als Neukunde bekommt man Geschenke, als Bestandskunde nicht. Dieser Eindruck entsteht häufiger. Stimmt er auch? Wir haben bei 110 Firmen nachgefragt und bei 40 auf der Internetseite nach Neukunden-Aktionen gesucht.

Grundsätzlich gilt: Kein Anbieter ist rechtlich zu Neukunden- oder Rabattaktionen verpflichtet. Außerdem muss er Aktionen für Neukunden nicht automatisch auch für Bestandskunden anbieten. Wenn er aber Rabatte und Boni verspricht, muss er sie auch gewähren. Die Bedingungen dafür kann er weitgehend selbst festlegen – und darauf sollten Sie genau achten!

60 von 110 Firmen hatten Neukunden-Aktionen

In unserer Umfrage bei 110 Unternehmen wollten 50 keine Unterschiede zwischen Neukunden und Bestandskunden machen. Die anderen gaben bereitwillig Extrawürste aus. Dabei waren Onlineshops und Banken. Geldwerte Vorteile versprachen Versorger aus den Bereichen Gas, Strom und Telekommunikation. Hinzu kamen Lottoanbieter und Zeitschriftenverlage.

Letztlich galt das Motto: Jeder macht, was er will. Nahezu zwei Drittel der 60 Firmen hatten permanente Neukunden-Angebote. Die Höhe der Belohnung konnte aber in ein und demselben Shop jedoch schwanken: Erst sollten 10 Euro Nachlass auf den ersten Einkauf neue Kunden locken, später 15 Euro. Das restliche Drittel spielte seine Boni sporadisch aus. Die Angebote waren auf Aktionszeiträume von wenigen Wochen oder Monaten beschränkt. Erstkäufer konnten also leer ausgehen, wenn sie nicht auf die nächste Aktion warten wollten.

Vielfältige Möglichkeiten für Boni und Rabatte

Auch bei der Art der Belohnungen gab es einige Varianten. Onlineshops versprachen oft pauschal einen Nachlass auf die erste Bestellung – mal in Form fester Euro-Beträge, mal als Prozente. Oder es gab Gutscheine für einen Rabatt per Code (etwa bei QVC) oder für ein Essen im Restaurant (Hamburger Sparkasse). Auch Gutscheine mit fixen Geldbeträgen für andere Shops ("Best-Choice") wurden gerne spendiert, z. B. beim Spiegel-Verlag. Zeitschriftenverlage buhlten vor allem mit Geld- und Sachprämien um neue Abonnenten.

Bei der Eröffnung von Bankkonten wurde Kunden etwa Gutschriften eines Geldbetrags oder eine Freifahrt im Flixbus versprochen. Bei Lottogesellschaften sollten Gratistipps und Freispiele die Spielfreude wecken.

Auch wer als Neukunde gilt, können Unternehmen frei festlegen. Rund die Hälfte der 60 befragten Unternehmen mit Neukunden-Aktionen gab an, dass man nicht nur ein mal Neukunde sein könne. Dem Stromversorger E-wie-Einfach reichte es, wenn Altkunden zwischenzeitlich auch nur "einen Tag bei einem anderen Anbieter" waren. Zwölf Unternehmen betrachteten Kunden schon "direkt" nach Ablauf eines Vertrages als Neukunden. Beim Versandhändler Otto hingegen mussten 24 Monate zwischen zwei Bestellungen liegen.

Kunden sollten genau auf Bedingungen achten

Pferdefüße zeigten sich bei den Voraussetzungen für Prämien und Prozente. Eine Mindestlaufzeit oder einen Mindestbestellwert forderte jedes zweite Unternehmen. Der Spitzenreiter forderte für 10 Prozent Nachlass einen Einkaufswert von mindestens 150 Euro. Andere Shops gaben 20 Prozent Rabatt bereits bei 15 Euro Bestellwert.

Beim Blick auf die Internetseiten von 40 weiteren Firmen stellten unsere Tester fest, dass es Preisnachlässe teilweise nur auf Teile des Sortiments gibt (z. B. bei Baur und Schwab). Fragwürdig agierte ein Mode-Shop, der massiv zur Eile drängte. Dort hieß es, ein 50-Euro-Bonus sei "limitiert auf 1.000 Einlösungen". Überprüfbar war die Aussage nicht.

Skurril war die Aktion zweier Stadtwerke im Rheinland. Nur "für Neukunden in der Region" sollte es einen Wechselbonus geben – nicht für solche am Hauptsitz der Unternehmen.

Belohnung für Einwilligung in Werbung

Daten gegen Belohnung: Einige Firmen wollten Rabatte oder Geschenke erst geben, wenn Kunden in den Empfang von Newslettern einwilligten. Ein Verkäufer von Hundenahrung ging sogar noch weiter: Für einen 10-Euro-Gutschein verlangte er die Einwilligung in Werbeanrufe.

Ebenso die Commerzbank: Ein 100-Euro-Startguthaben wollte sie auf einem neu eröffneten Girokonto nur dann gutschreiben, wenn die Kontoinhaber sowohl Werbung per E-Mail als auch übers Telefon zustimmten. Dieses Einverständnis durfte "danach mindestens 3 Monate" nicht widerrufen werden.

Rabatte nicht immer zu erkennen

In einer Handvoll Online-Shops fanden die Tester keine Hinweise auf spezielle Neukunden-Vorteile. Die gab es aber auf speziellen Gutscheinportalen und konnten von dort erfolgreich eingelöst werden. Vor Online-Bestellungen ist es also ratsam, beim Shop nach Rabatten zu fragen oder an anderen Stellen im Netz nach Gutscheinen zu suchen.