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Meilenprogramm von Air Berlin vor dem Aus - was das für Kunden bedeutet

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Jahr 2017 hat Air Berlin den gesamten Flugbetrieb eingestellt. Auch die Tochter Niki Air sowie das Air-Berlin-Meilenprogramm Topbonus sind später in die Insolvenz gegangen.
  • Ein Verkauf von Topbonus steht laut Insolvenzverwalter vor dem Scheitern. Wer bis zur Verfahrenseröffnung Meilen gesammelt hatte, muss seine Ansprüche also im Insolvenzverfahren geltend machen, um nun noch auf eine Erstattung hoffen zu können.
  • Die Verbraucherzentralen fordern Insolvenzsicherungen auch für direkt gebuchte Flugreisen.
  • Wenn Flüge tatsächlich ausfallen sollten, haben Pauschalreisende die besseren Karten: Der Reiseveranstalter muss dann für eine Ersatzbeförderung sorgen. Andere Fluggäste hingegen können nur auf - wenig realistische - Entschädigung im Insolvenzverfahren hoffen.
Air Berlin Flugzeug Landung
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Die Entwicklung beim Meilenprogramm Topbonus

Für die Air-Berlin-Tochter Topbonus ist am 1. April 2018 das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Mit diesem Meilenprogramm haben laut Insolvenzverwalter Millionen Air-Berlin-Kunden Bonusmeilen für Prämien oder Gratisflüge gesammelt. Eine Meile wurde mit einem Gegenwert von 0,36 Eurocent bewertet. Ein angestrebter Verkauf von Topbonus steht aber offenbar vor dem Aus, wie der Insolvenzverwalter der Nachrichtenagentur dpa im Mai 2018 gesagt hat. Damit bliebe für Betroffene nur die vage Hoffnung auf Auszahlungen im Insolvenzverfahren. Gegenüber vielen anderen Gläubigern stehen sie dort allerdings hinten an.

Was, wenn der Flug tatsächlich ausfällt?

Grundsätzlich gilt: Wen eine Fluggesellschaft nicht an sein Ziel bringt, der hat nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche auf Entschädigung. Das gilt bei Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung. Bei einer Insolvenz der Airline müssen diese Ansprüche beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Wer Flüge gebucht hat, die eine insolvente Airline nicht mehr ausführt, muss sich selbst um Ersatz bemühen.

Es ist aber ungewiss, ob Entschädigungszahlungen tatsächlich geleistet werden. Denn die Kunden einer Fluggesellschaft rangieren in der Regel weit hinten in der Kette der Gläubiger wie Banken oder Arbeitnehmer, deren Forderungen aus der Insolvenzmasse zunächst bedient werden.

Pauschalreisende sind besser gestellt

Auf Soforthilfe im Insolvenzfall können hingegen Pauschalurlauber vertrauen: Der Reiseveranstalter, bei dem die Reise gebucht wurde, muss für Ersatz sorgen, wenn der Ferienflieger gar nicht oder verspätet abhebt.

Mehr zu den genau geregelten Fluggastrechten haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

Häufige Fragen zur Insolvenz von Air Berlin

Wer ist der Insolvenzverwalter bei Air Berlin?

Insolvenzverwalter ist Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther Wissing. Auf einer speziellen Seite können Betroffene Informationen finden und ihre Forderungen im Insolvenzverfahren geltend machen - sofern die Fristen dafür noch nicht abgelaufen sind. Für die Unternehmen Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG, der Air Berlin PLC, der Airberlin Technik GmbH und der Air Berlin 5. LeaseLux S.à.r.l. ist die Frist laut Insolvenzverwalter am 1. Februar 2018 abgelaufen.

Wohin kann ich mich zur Insolvenz des Meilenprogramms wenden?

Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Christian Otto. Für Betroffene gibt es eine Internetseite mit Informationen. Für Forderungen gegen Topbonus ist die Frist laut Insolvenzverwalter am 25. April 2018 abgelaufen. Forderungen können dennoch weiterhin angemeldet werden, allerdings fällt hierfür eine Gerichtsgebühr in Höhe von 20 Euro an.

Kann ich bei Zahlung via Lastschrift oder Kreditkarte den Flugticketpreis einfach zurück buchen?

Das wird wohl zumindest für Flugbuchungen vor dem 15. August 2017 nicht gehen, da die bis dahin gezahlten Flugpreise zur Insolvenzmasse gehören. Andernfalls könnte es Nachforderungen vom Sachwalter geben. Für Buchungen danach hat Air Berlin erklärt, eine Rückzahlung vorzunehmen, wenn die Flüge ausgefallen sind.

Bei einer Pauschalreise: Muss ich die Restzahlung leisten und wäre mein Geld dann durch den Sicherungsschein abgesichert?

Nehmen Sie die Restzahlung auf jeden Fall vor. Pauschalurlauber müssen sich keine Sorgen machen, denn der Veranstalter muss bei Flugausfall für Ersatz sorgen. Ein Sicherungsschein einer Pauschalreise schützt Sie aber nur vor einer Insolvenz des Reiseveranstalters, nicht eines Leistungsträgers wie der Airline. Dieses Risiko trägt der Veranstalter allein - und muss bei Flugausfall für Sie tätig werden.

Ist auch Niki Air insolvent?

Die Air-Berlin-Tochter Niki Air ist eine eigenständige GmbH. Sie ist seit dem 13.12.2017 insolvent. Für Forderungen ihr gegenüber ist die Frist laut Insolvenzverwalter am 23. April 2018 abgelaufen.

Schutz für alle Flugreisenden ist überfällig

Für den Fall der Insolvenz einer Fluggesellschaft fordern die Verbraucherzentralen seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden, nicht nur bei Pauschalreisen. Nun erklärt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands: "Das Nachsehen haben jene Kunden, die ihre Flüge selbst gebucht haben. Hier greift keine Versicherung. Jetzt rächt sich die Untätigkeit der Bundesregierung und der EU."

Dass Fluggäste etwa bis zu einem Jahr im Voraus für gebuchte Tickets komplett zahlen sollen, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW unhaltbar. Deshalb haben wir gegen die Vorauskassepraxis verschiedener Fluggesellschaften bis zum Bundesgerichtshof (BGH) geklagt. Dieser sah das jedoch anders: Zulassungs- und Aufsichtsbestimmungen seien ausreichend und würden das Insolvenzrisiko deutlich verringern. Die Air-Berlin-Pleite aber ist ein weiteres Beispiel, das unsere Zweifel an der Effektivität der behördlichen Aufsicht in Sachen Verbraucherschutz untermauert. Mehr dazu lesen Sie in unserer Presseinfo "Wirkungslose Aufsicht".