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Steigende Lebensmittelpreise trotz sinkender Nachfrage

Stand:

Obwohl durch die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Lebensmitteln gesunken ist, steigen die Preise. Der Handel nutzt die Krise zum eigenen Vorteil.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weil die Gastronomie schließen musste, gibt es in Deutschland Überschüsse an Fleisch, Milch, Kartoffeln und Getreide.
  • Trotzdem sind viele Lebensmittel teurer als 2019 – Schweinefleisch zum Beispiel kostet 12,7 Prozent mehr.
  • Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, kritisiert den Handel und fordert Handlungen von der Politik.
Gefüllter Einkaufswagen in Supermarktgang
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Kein Export, keine Gastronomie: Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Lebensmitteln in Deutschland gesunken. Das Prinzip der Marktwirtschaft besagt eigentlich, dass die Preise bei sinkender Nachfrage ebenfalls fallen. Im Lebensmittelbereich ist das derzeit aber nicht so.

Obwohl es in Deutschland Überschüsse an Fleisch, Milch, Kartoffeln oder Getreide gibt, sind die Preise hier gestiegen. Laut Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts kostete Schweinefleisch in diesem März 12,7 Prozent mehr im März 2019. Von Januar bis März 2020 stieg der Schweinefleischpreis um 2,8 Prozent. Das ist aber weder auf artgerechte Tierhaltung noch auf bessere Qualität des Fleisches zurückzuführen. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind seit Beginn der Corona-Pandemie die Erzeugerpreise von mehr als 2 Euro pro Kilo Schweinefleisch auf etwa 1,75 Euro je Kilo gesunken.

Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, kritisiert deshalb den Handel: "Generell sind in Deutschland viele Lebensmittel zu billig, um eine gewünschte Qualität in der Tierhaltung oder faire Preise für die Landwirte zu erzielen. Wenn aber im Moment die Preise bei einigen Produkten steigen, obwohl ein Überangebot vorhanden ist, geht es dem Lebensmittelhandel nicht um Fairness, sondern um den schnellen Profit." Lediglich bei Obst und Gemüse wäre ein Preisanstieg zu rechtfertigen, weil Erntehelfer fehlen.

Sollte es bei höheren Preisen bleiben, sieht Schuldzinski die Politik in der Pflicht: "Gesunde Ernährung darf keine Frage des Geldbeutels sein", betont er. So wäre unter anderem eine Anhebung der Verpflegungssätze bei Hartz IV notwendig, um auch für Menschen mit wenig Einkommen eine gesunde Lebenshaltung zu gewährleisten.