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Portionsangaben für Lebensmittel sind oft unsinnig und verwirrend

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Drittel eines Schokoriegels oder zwei Drittel einer Fruchtgummischlange: Wer Zucker- oder Fettgehalt von Lebensmitteln prüfen möchte, findet auf den Verpackungen oft willkürliche Portionsangaben.
  • Nach unserem Marktcheck mit 211 Lebensmitteln haben wir den Eindruck: Manche Hersteller rechnen ihre Produkte mit Miniportionen gesund.
  • Anbieter und Gesetzgeber müssen nachbessern, damit Portionsangaben beim Einkaufen und Vergleichen helfen.
Eine Frau steht im Supermarkt und blickt kritisch auf eine Süßigkeitenverpackung.
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Was in abgepackten Lebensmitteln genau drin steckt, ist auf den Verpackungen nur schwer zu erkennen. Hersteller drucken zwar mit freiwilliger Kennzeichnung auf, wie viel Kalorien sowie Fett, Zucker und Salz sich in ihren Produkten befinden. Diese freiwillige Kennzeichnung ist aber oft unsinnig und verwirrend. Denn die Hersteller verwenden teils unrealistische und willkürliche Portionsangaben.

Das zeigt ein aktueller Marktcheck der Verbraucherzentralen (Sie können den Marktcheck hier herunterladen). Wir haben bundesweit 211 Lebensmittel aus acht Produktgruppen überprüft. Teilweise rechnen die Hersteller mit Miniportionen ihre zucker- und fettreichen Produkte "gesund". Hier sind Anbieter und Gesetzgeber gefragt: Sie müssen nachbessern, damit Portionsangaben auf dem Etikett zu einer leicht verständlichen Einkaufshilfe werden.

Bei Schokolade bezieht sich der Aufdruck schon einmal aufs Drittel eines Riegels

Unrealistische Portionsangabe bei Schokoriegeln

Unrealistische Portionsgrößen bei Scholodaenriegeln
Grafik: © Verbraucherzentralen; Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Vor allem bei Süßwaren entsprechen die Portionsgrößen meist nicht der Realität. Fruchtgummischlangen oder Schokoladenriegel beispielsweise werden für die Portionsangabe willkürlich geteilt. Wer isst nur ein Drittel eines Schokoriegels oder zwei Drittel einer Fruchtgummischlange? Unsinnige Portionsangaben haben wir auch bei Konservendosen gefunden: Auf einer Dosensuppe mit 390 Millilitern Inhalt war eine Portionsgröße von 260 Millilitern angegeben und auf einer 250-Gramm-Dose mit Kidneybohnen eine Portion von 200 Gramm. In beiden Fällen bleiben – wenig verbraucherfreundlich – Reste übrig.

Für Kekse nutzen die Hersteller völlig uneinheitliche Portionsgrößen: 15 verschiedene Angaben zwischen 5 und 44 Gramm fanden wir bei unserem Marktcheck. Wer da Zucker- und Fettgehalte verschiedener Produkte vergleichen möchte, muss mit dem Taschenrechner in den Supermarkt. Dieses Wirrwarr muss ein Ende haben.

Auch für Kinderprodukte wird der Bedarf von Erwachsenen herangezogen

Bei Kinderlebensmitteln ergeben die Portionsangaben ein falsches Bild, obwohl sie sich an die lebensmittelrechtlich vorgeschriebene Angabe von Referenzwerten halten. Denn diese Referenzwerte beziehen sich immer auf Erwachsene. Kalorien sowie Fett, Zucker und Salz sollen Kinder deutlich weniger zu sich nehmen als Erwachsene. Richten sich Lebensmittel an Kinder, muss die EU-Kommission hier realistische Referenzwerte festlegen.

Verständlich und hilfreich sind nach unserer Ansicht Angaben bei Käse und Wurst, wenn die Anbieter die Scheiben zusammen mit dem Gewicht angeben. Ähnlich gut schnitten Milchprodukte in Bechern ab, da hier meist die Becher als Portion festgelegt wurden.

Eine Befragung von 27 Herstellern, deren Produkte durch missverständliche Portionsangaben im Marktcheck auffielen, brachte nur mäßige Resonanz. Nur elf antworteten auf unsere Fragen. Einige nannten "branchenweite Leitlinien" als Grundlage für die Festlegung der Portionsgrößen. Vereinzelt verweisen sie auf Marktforschungsuntersuchungen oder Angaben medizinischer und wissenschaftlicher Organisationen. Konkrete Studien nannte keiner der befragten Hersteller.

Von der Lebensmittelindustrie vorgeschlagene Ampel hilft nicht

Die Ergebnisse unseres Marktchecks verdeutlichen, dass die vor Kurzem von namhaften Unternehmen der Lebensmittelindustrie vorgeschlagene Ampelkennzeichnung pro Portion keine Lösung sein kann: Willkürlich festgelegte Portionsgrößen bergen die Gefahr, dass Verbraucher über die tatsächlich verzehrte Menge von Zucker, Fett oder Salz getäuscht werden.

Bereits eine unserer früheren Untersuchungen hat gezeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Portionsangaben der Hersteller und dem Verbraucherverhalten gibt. Im Rahmen einer bundesweiten Befragung im vergangenen Jahr füllten Verbraucher im Durchschnitt mehr als das Doppelte für Müsli und Chips ab als die von den Herstellern angegebenen Portionen.

Wir fordern die Hersteller auf, nur realistische Portionsgrößen wie einen Riegel, einen Becher oder eine Scheibe anzugeben. Darüber hinaus sollte der Gesetzgeber eine verständliche, farblich basierte Nährwertkennzeichnung auf der Basis von einheitlichen Werten wie 100 Gramm oder 100 Millilitern auf den Weg bringen, zum Beispiel in Form einer Nährwertampel auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen.

Portionsgrößen bei Fertiggerichten wie Suppe und Lasagne

Material zum Marktcheck

Den vollständigen Marktcheck können Sie hier herunterladen.

Wir haben außerdem drei Faktenblätter zu den Ergebnissen vorbereitet: