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PCB in Futtermitteln: Lack abgesplittert, Betriebe gesperrt

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei einem Futtermittelhersteller in Nordrhein-Westfalen ist alter Lack abgesplittert. Dadurch gelang giftiges PCB in Tierfutter.
  • Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe mussten daraufhin gesperrt werden.
  • Nach Angaben der Überwachungsbehörden bestehe für Verbraucher keine akute Gefahr.
Gelbe Plastikschaufel steckt in Körnern
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Weil sich alter Lack bei der Futterherstellung gelöst hat, ist giftiges "nicht-dioxinähnliches PCB" (ndl-PCB) in Tierfutter gelangt. Wie das Umweltministerium NRW mitteilt, handelt es sich um die AGRAVIS Mischfutter Ostwestfalen-Lippe GmbH und ihr Werk in Minden (Nordrhein-Westfalen). Das Unternehmen belieferte zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe, vor allem Halter von Legehennen, Masthähnchen und Puten mit dem verunreinigten Futter. Vereinzelt seien laut Ministerium aber auch Betriebe mit Schweinehaltung, Pferdehaltung und Rinderhaltung betroffen.

Nach Aussage des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) gehe keine akute Gesundheitsgefahr von der festgestellten PCB-Konzentration aus. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme. Dennoch sollte die Belastung mit PCB in Lebensmitteln so gering wie möglich sein. Um das sicherzustellen gibt es einen gesetzlich festgelegten Höchstgehalt für PCB in Fleisch und Eiern, der nicht überschritten werden darf. Aus diesem Grund wurden die Tierbetriebe vorsorglich gesperrt, welche mit dem verunreinigten Futter beliefert worden sind. Erst wenn die Grenzwerte für PCB im Fleisch oder in Eiern nicht überschritten werden, dürfen sie ihre Produkte wieder verkaufen. Sichergestellte Reste des belasteten Futters würden vernichtet, so das LANUV.

Betriebe in mehreren Bundesländern gesperrt

In Nordrhein-Westfalen waren zwischenzeitlich 75 Geflügelbetriebe und ein Schweinemastbetrieb vorläufig gesperrt. Details nennt das LANUV auf seiner Internetseite. Auch auf andere Bundesländer hat sich der Vorfall ausgewirkt: Das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen informiert auf seiner Internetseite, dass 29 Betriebe vorübergehend gesperrt werden mussten, 21 konnten bereits wieder öffnen. Zu den Betrieben, die verunreinigtes Futter erhielten, zählen auch drei Schweinebetriebe und eine Junghennen-Aufzucht. Einige Hennen wurden in andere Bundesländer verkauft. Die Betriebe der Käufer wurden ebenfalls gesperrt. Laut Landwirtschaftsministerium sind es 18 in Niedersachsen, drei in Nordrhein-Westfalen, zwei in Sachsen-Anhalt und je einer in Brandenburg und Thüringen.

Verunreinigtes Futter wurde auch an neun Betriebe in Hessen geliefert und dort teilweise verfüttert. Wie das hessische Umweltministerium mitteilt, wurde dort aber kein Betrieb gesperrt.

Betrieb lieferte schon 2012 belastetes Futter aus

PCB steht für Polychlorierte Biphenyle. Es sind giftige Substanzen, die nur sehr schwer abbaubar sind. Die Zusammensetzung des gefundenen PCB-Gemischs sei analytisch sehr genau bestimmbar und gleiche einem chemischen Fingerabdruck, erläutert das LANUV. So konnte der Verursacher schnell ermittelt werden. Wie das LANUV angekündigt hat, werden in den kommenden Monaten in NRW weitere Mischfuttermittelbetriebe auf vergleichbare Beschichtungen in Lager- oder Silobehältern überprüft.

1989 wurde die Herstellung und Verwendung von PCB in Deutschland verboten. Die Untersuchungen der Behörden beim Mindener Futtermittelwerk ergaben, dass das ndl-PCB aus alten Silo-Anstrichen aus den 1960-er Jahren stammt. Der Betrieb hat 2012 schon einmal PCB-belastetes Futter ausgeliefert. Damals hatten sich Teile der Beschichtung einer Abfülleinrichtung gelöst. Das LANUV sperrte das Werk – es durfte erst nach einer Sanierung der Anlage wieder öffnen. "Die zuständigen Behörden prüfen jetzt, ob das Futtermittelunternehmen seiner gesetzlichen Verpflichtung zu Eigenkontrollen in den vergangenen Jahren ausreichend nachgekommen ist", sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.