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Nahrungsergänzungsmittel kommen für viele wie Medizin daher

Stand:

Als Pillen und Pulver machen Nahrungsergänzungsmittel den Eindruck von Medikamenten – dabei müssen sie kein behördliches Zulassungsverfahren mit Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit durchlaufen. Es handelt sich bei Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel, die lediglich die normale Ernährung mit Nährstoffen ergänzen sollen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auf dem Portal www.klartext-nahrungsergaenzung.de informieren wir und beantworten Fragen zu Dutzenden Produkten und ihren Risiken und möglichen Nutzen.
  • Die Anfragen zeigen: Viele Verbraucher verstehen Werbung und Aufmachung der Mittel als handele es sich um Arznei – ein Trugschluss.
  • Wir meinen: Anbieter sollten für alle enthaltenen Stoffe die versprochenen Wirkungen wissenschaftlich klar belegen müssen und häufiger kontrolliert werden.
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Werbung, Produktaufmachung und Präsentation im Handel schüren bei Nutzern die Erwartung, dass Nahrungsergänzungsmittel Krankheiten lindern oder sogar heilen – ganz wie Arzneimittel. Das zeigt unsere Bilanz 100 Tage nach dem Start des interaktiven Online-Angebots www.klartext-nahrungsergaenzung.de. Doch anders als Arzneimittel müssen Nahrungsergänzungsmittel kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen, ehe sie auf den Markt kommen. Nur der Hersteller oder Importeur ist für die Sicherheit seiner Produkte verantwortlich.

Verbraucher erwarten Produkte mit nachgewiesener Wirkung gegen Krankheiten

Fast 40 Prozent der Ratsuchenden, die sich über das Portal an uns wenden, erwarten heilende oder lindernde Wirkungen, z. B. bei Gelenk-, Augen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kein Wunder, denn die Mittel kommen wie Medikamente als Pillen und Pulver daher. Häufig sind ihnen außer Vitaminen und Mineralstoffen mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims) auch Stoffe wie Glucosamin, Astaxanthin oder Ginkgo zugesetzt. Für diese sonstigen Stoffe sind weder Anforderungen festgelegt, noch gibt es zugelassene Gesundheitsclaims dafür.

In fast jeder zehnten Anfrage haben Verbraucher die Empfehlungen für Produkte sogar von Vertrauenspersonen wie Ärzten, Heilpraktikern und Apothekern bekommen.

Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch rechtlich Lebensmittel und nicht zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung von Krankheiten vorgesehen. Sie dienen allein der Ergänzung der normalen Ernährung. Wir meinen: Anbieter sollten daher versprochene Wirkungen für alle Inhaltsstoffe ihrer Produkte wissenschaftlich klar belegen müssen und sehr viel häufiger von der Lebensmittelüberwachung diesbezüglich kontrolliert werden.

Die Internetseite bündelt aktuelle Informationen

Bei den rund 280.000 Seitenzugriffen auf Klartext Nahrungsergänzung stehen die Informationen zu einzelnen Produkten hoch im Kurs. Das Onlineangebot liefert mittlerweile mehr als 100 Artikel mit Wissenswertem über Risiken, rechtliche Bestimmungen, Produkte nach Anwendungsgebieten und Zielgruppen. Dort finden Sie zum Beispiel Informationen zu Produkten, die das Immunsystem stärken oder Gelenke und Knochen beweglich und schmerzfrei halten sollen.

Auf der Seite warnen wir auch konkret vor gesundheitsschädlichen Produkten, unseriösen Anbietern und Vertriebspraktiken. Denn bislang können sich Verbraucher nicht darauf verlassen, dass nur gesundheitlich Unbedenkliches auf dem Markt ist. Aktuell warnen wir zum Beispiel vor einer Firma, die per Telefon in Abofallen für fragwürdige Ginkgo-Produkte lockt.

Ihre Meinung zählt

Für Marktanalysen orientieren wir uns an Produktgruppen, zu denen vermehrt Fragen und Beschwerden eingehen. Der erste Marktcheck hat sich mit magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt. Eines der Ergebnisse: Die Mittel sind häufig zu hoch dosiert.

 

Mehr zum Thema

Das Portal Klartext Nahrungsergänzung

Positionspapier der Verbraucherzentralen und des vzbv zu Nahrungsergänzungsmitteln