Smoothie-Marktcheck: keine Klarheit im Regal

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Smoothies – die sämigen Fruchtgetränke sind aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken. In einem Smoothie-Marktcheck haben wir eine Reihe von Smoothies genauer unter die Lupe genommen. Alle Ergebnisse hier.

Das Wichtigste in Kürze:

  • „Smoothie“ ist kein rechtlich festgelegter Begriff, es gibt keine einheitlichen Qualitätskriterien.
  • Im Supermarkt finden Sie „Smoothies“ daher mit völlig unterschiedlichen Inhaltsstoffen.
  • Wollen Sie wissen, was in Ihrem Smoothie steckt, können Sie sich nur über das Zutatenverzeichnis informieren.
  • Das Projekt Lebensmittelklarheit  hat einen Smoothie-Marktcheck durchgeführt und dabei 50 Smoothies genauer überprüft. Alle Ergebnisse finden Sie hier.
Eine Frau steht am Supermarktregal und betrachtet die Waren.
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Was sind Smoothies?

Für den Begriff „ Smoothie“ gibt es keine lebensmittelrechtliche Definition. Aus diesem Grund können die Anbieter immer neue Kreationen auf den Markt bringen, die sie alle unter dem Fantasienamen „Smoothie“ verkaufen. Die „smoothen“ Fruchtgetränke (englischer Begriff "smooth" bedeutet "fein" oder auch "cremig") können sich jedoch völlig unterschiedlich zusammensetzen.
Die Verbraucherzentrale geht davon aus, dass unter einem Smoothie im Allgemeinen eine Mischung aus wenig verarbeitetem Obst und/oder Gemüse, das eine sämige Konsistenz aufweist, verstanden wird. 

Keine einheitlichen Regeln für Smoothies

Saft oder Püree? Wie hoch der Anteil an Fruchtpüree und Fruchtmark in einem Smoothie ist, entscheidet maßgeblich über die Konsistenz und unterscheidet den Smoothie damit letztlich auch von Fruchtsäften. Bisher ist jedoch nicht festgelegt, wie hoch der Anteil an wertgebendem Püree oder Mark im Vergleich zu Saft sein muss.

Als „Smoothie“ werden im Handel angeboten:

  • eine Mischung aus Fruchtpüree und Fruchtsaft
  • eine Mischung aus Fruchtsäften
  • eine Zubereitung aus Fruchtsaft und Fruchtmark

Dasselbe gilt entsprechend für Gemüse. 
Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) fordert daher eine klare Regelung in den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches, um den Wildwuchs bei Smoothies zu beenden.

Was ist der Unterschied zwischen Mark und Püree?

Mark hat im Vergleich zu Püree und Mus einen geringeren Wasseranteil. Zudem wird ein Mark nicht mit anderen Inhaltsstoffen wie Milch oder Zucker gemischt.

Beispiel: Für Apfelmus legen die Leitsätze des deutschen Lebensmittelbuches für Obsterzeugnisse fest, dass es gesüßt wird und mit geschmacksgebenden Zutaten, z.B. Zimt versetzt werden kann. Der Zuckergehalt beträgt mindestens 16,5 Prozent.

Im Gegensatz zu Apfelmus wird Apfelmark nicht zusätzlich gesüßt, es enthält also nur den Zucker aus den Äpfeln. Dadurch ist Apfelmark in der Regel zuckerärmer als Apfelmus. Um die Braunfärbung zu verhindern, fügen die Hersteller dem Apfelmarkt teilweise noch Ascorbinsäure zu.

Smoothie-Marktcheck: Wie setzen sich Smoothies auf dem Markt zusammen?

Beim Portal Lebensmittelklarheit.de gehen regelmäßig Beschwerden zu Smoothies ein. Aus diesem Grund hat das Projekt Lebensmittelklarheit 50 Produkte genauer unter die Lupe genommen. Überprüft wurden Produkte, die 

  1. entweder als „Smoothie“ benannt 
  2. oder im entsprechenden Supermarktregal platziert wurden. 

Untersucht wurde im Zeitraum März bis Juli 2020, inwieweit Kennzeichnung, Aufmachung und Bewerbung und/oder Zutaten über einen reinen sämigen Obst- oder Gemüse- oder gemischten Obst-Gemüse-Saft hinausgehen.

Erfasst wurden Erzeugnisse im stationären Handel von 

  • Supermärkten: Edeka, Rewe (inkl. Rewe City), real, …
  • Discountern: Aldi, Lidl, Penny
  • Drogeriemärkten: dm, Rossmann
  • Bio-Supermärkten: denn’s, Bio Company

Alle Informationen zur Erhebung sowie alle Ergebnisse des Smoothie-Marktchecks vom Projekt Lebensmittelklarheit finden Sie hier

Ergebnisse des Smoothie-Marktchecks

Die Ergebnisse des Smoothie-Marktchecks zeigen: Bei Smoothies gibt es große Unterschiede hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Kennzeichnung und Aufmachung. So variieren etwa die Inhaltsstoffe stark, vor allem der entscheidende Anteil an Fruchtpüree und Fruchtmark schwankte erheblich.
Zudem enthielten 28 Prozent der überprüften Produkte beworbene Zutaten nur in Minimengen (3 Prozent und weniger). Einige untersuchte Smoothies enthielten beispielsweise nur 3 Prozent Acerolamark, 2 Prozent Sanddornmark, 1 Prozent Cranberrysaft, 0,8 Prozent Baobab-Fruchtfleisch oder 0,21 Prozent Limettensaft.

Beim Smoothie-Marktcheck fanden wir darüber hinaus Inhaltsstoffe, die Sie beim Kauf eines Smoothies womöglich nicht erwarten. Zum Beispiel Schokoladen-Kuvertüre, Hanfsamenmehl oder koffeinhaltige Zutaten mit anregender Wirkung wie Guaranasamenpulver oder Matcha (koffeinhaltiger gemahlener grüner Tee).

Insgesamt waren jedem 5. der untersuchten Produkte koffeinhaltige Zutaten zugesetzt: Damit kann der „gesunde“ Smoothie für Kinder und Schwangere nicht geeignet sein. Zwar war der für diese Produkte vorgeschriebene Warnhinweis „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ vorhanden, stach aus unserer Sicht aber zu wenig hervor.

Mehr Informationen? Alle weiteren Ergebnisse des Smoothie-Marktchecks sowie die Forderungen des vzbv finden Sie hier.