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Adventskalender: Viel Abfall und bis zu 330 Prozent teurere Schokolade

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Verbraucherzentrale NRW hat 11 Adventskalender auf ihren Verpackungsanteil untersucht und ausgerechnet, was die Süßigkeiten kosten, wenn sie nicht in Adventskalendern stecken.
  • Verbraucher zahlen viel Geld für viel Verpackung – der süße Inhalt im Adventskalender kostet bis zu drei Mal mehr.
  • Ist der Kalender leer, landet er auf dem Müll. Beim Entsorgen sollte jeder auf Mülltrennung achten: Die meisten Verpackungen bestehen aus Plastik und Pappe.
  • Preiswerter sind wiederbefüllbare Adventskalender. Neben Süßigkeiten eignen sich auch andere Kleinigkeiten zum Befüllen wie z.B. Gutscheine für gemeinsame Aktivitäten.
Zwei Müllhaufen und ein Herrenstiefel in Größe 44.

Die Müllberge von elf Adventskalendern, getrennt in Pappe und Plastik. Zum Vergleich oben: ein Herrenstiefel in Größe 44.

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Für Kinder wie für Erwachsene gehören Adventskalender traditionell zur Weihnachtszeit. Einen selbst gemachten Kalender eigenhändig mit Kleinigkeiten zu befüllen, ist meist preisgünstiger und besser für die Umwelt als einen Kalender zu kaufen. Außerdem kann der selbst gemachte auch wiederverwendet werden.

Wir haben elf gängige Adventskalender in zwei Supermärkten gekauft und nachgesehen, wie viel Geld man für die besondere Verpackung draufzahlt und wie viel Müll anfällt. Das Preisverhältnis kann sich durch andere Preise in anderen Geschäften verändern. Außerdem sind einige Kalender mit Mischungen und exklusiven Besonderheiten gefüllt. In dem Fall haben wir nur eines der enthaltenen Produkte preislich mit anderen Verpackungen verglichen.

Im Durchschnitt wandert rund die Hälfte des Gesamtgewichts eines Kalenders in den Abfall. Und große, aufwändige Verpackungen können Verbraucher täuschen. Tipp: Achten Sie auf das Gewicht des verzehrbaren Inhalts. Das muss jeder Hersteller angeben. Damit können Sie das Preisverhältnis zu den üblichen Verkaufsverpackungen vergleichen.

Adventskalender selbstgemacht: Kleine Stoff-Säckchen an einer Schnur und verschiedene Süßigkeiten

Viele verschiedene Süßigkeiten in einem individuell gestalteten Kalender: Das ist auf ein Kilo Schokolade bezogen günstiger als die Adventskalender der Marken zu kaufen. Die folgenden Bilder zeigen die Ergebnisse unserer Stichprobe.

Adventskalender After Eight verschlossen

Der After-Eight-Kalender kostet 13,99 Euro und enthält 185 Gramm Pralinen. 169 Gramm sind als "My Favourite" zu kaufen. Im Adventskalender kosten die "My Favourite" 12,78 Euro und damit 225 Prozent mehr als in der normalen Packung.

Adventskalender After Eight auseinandergenommen

Gemessen am Gewicht besteht der After-Eight-Adventskalender zu 46 Prozent aus Verpackung, welche nach den Feiertagen im Müll landet.

Adventskalender "Die Besten" von Ferrero geschlossen

Der Kalender "Die Besten von Ferrero" kostet 13,99 Euro und enthält 276 Gramm Süßigkeiten. Sie sind auch in schlichterer Verpackung erhältlich und kosten im Adventskalender 142 Prozent mehr.

Adventskalender "Die Besten" von Ferrero in Einzelteile zerlegt

Vom Gesamtgewicht des Ferrero-Kalenders sind 51 Prozent Verpackung.

Adventskalender Haribo geschlossen

Der Adventskalender von Haribo kostet 6,99 Euro und enthält 300 Gramm Süßigkeiten. 108 Gramm davon sind "Haribo Christmas"-Tütchen, die im Adventskalender umgerechnet 2,52 Euro kosten. Sie sind dort 245 Prozent teurer als in einem Beutel "Haribo Christmas".

Adventskalender Haribo in Einzelteilen

40 Prozent seines Gewichts verdankt der Haribo-Adventskalender seiner Verpackung.

Adventskalender Kinder Mini Mix geschlossen

Der Kinder Mini-Mix-Kalender kostet 5,99 Euro und enthält 152 Gramm Süßigkeiten. 132 Gramm davon sind als "Kinder Friends" zu kaufen. Im Adventskalender kosten sie umgerechnet 5,20 Euro und damit 164 Prozent mehr als in einer entsprechenden Tüte.

Adventskalender Kinder Mini Mix in Einzelteilen

Der Verpackungsanteil am Gewicht des Kinder-Adventskalenders beträgt 53 Prozent.

Adventskalender Lindt Teddy

Der "Lindt-Teddy"-Kalender kostet 24,99 Euro und enthält 345 Gramm Süßwaren. 50 Gramm davon sind "Lindor"-Kugeln, die im Adventskalender umgerechnet 3,62 Euro kosten und damit 149 Prozent mehr als in einer gemischten Lindor-Tüte.

Adventskalender Lindt Teddy in Einzelteilen

Gemessen am Gewicht besteht der Lindt-Kalender zu 61 Prozent aus Verpackung.

Adventskalender M&Ms and Friends geschlossen

Der Kalender "M&Ms and Friends" kostet 8,79 Euro und enthält 361 Gramm Süßigkeiten. 104 Gramm davon sind "M&Ms Peanuts", die im Adventskalender umgerechnet 2,53 Euro kosten und damit 205 Prozent mehr als in einem Kilo-Beutel.

Adventskalender M&Ms and Friends in Einzelteilen

Das Verpackungsgewicht der M&Ms und ihrer Freunde im Adventskalender macht 40 Prozent aus.

Adventskalender Milka Magic Mix geschlossen

Der "Magic Mix"-Kalender von Milka kostet 8,99 Euro und enthält 204 Gramm Süßigkeiten. 36 Gramm davon sind Milka-Oreo-Kuglen, die im Adventskalender umgerechnet 1,59 Euro kosten. Das sind 81 Prozent mehr als in einer Tüte.

Adventskalender Milka Magic Mix in Einzelteilen

45 Prozent des Gesamtgewichts bringt die Verpackung des Milka-Adventskalenders auf die Waage.

Adventskalender Niederegger

Der Adventskalender von Niederegger kostet 15,80 Euro und enthält 300 Gramm Pralinen. 288 Gramm davon sind Sterne, die im Adventskalender umgerechnet 15,17 Euro kosten und damit 20 Prozent mehr als in einer anderen Verpackung.

Adventskalender Niederegger in Einzelteilen

39 Prozent des Gewichts nimmt die Verpackung des Niederegger-Kalenders ein.

Adventskalender Ritter Sport

Der Adventskalender von Ritter Sport kostet 7,99 Euro und enthält 208 Gramm Schokowürfel. Diese kosten im Kalender 122 Prozent mehr als in der normalen Packung.

Adventskalender Ritter Sport in Einzelteilen

42 Prozent des Gewichts nimmt die Verpackung des Ritter-Sport-Kalenders in Tannenbaumform ein.

Adventskalender Smarties

Der Smarties-Kalender kostet 12,99 Euro und enthält 227 Gramm verschiedener Süßigkeiten. 96 Gramm sind als "Smarties mini"-Schokolinsen zu kaufen. Im Adventskalender kosten sie 5,49 Euro und damit 330 Prozent mehr als in der normalen Packung.

Adventskalender Smarties in Einzelteilen

Der Smarties-Turm wiegt 390 Gramm, wovon 42 Prozent Verpackungsgewicht sind.

Adventskalender Windel

Der Adventskalender von Windel enthält 75 Gramm Schokolade und ist in Supermärkten und Discountern für 0,79 Euro zu bekommen. Damit liegt er deutlich im unteren Preissegment, hat aber trotzdem (als einziger im Vergleich) das utz-Nachhaltigkeitssiegel für Kakao. Verglichen mit einer Tafel Discount-Schokolade kostet sein süßer Inhalt 115 Prozent mehr.

Adventskalender Windel in Einzelteilen

Als einziger Hersteller im Vergleich packt Windel die Schokoladen nicht separat ein. Trotzdem macht das Gewicht der Verpackung 47 Prozent des Gesamtgewichts aus.

Ist der Kalender an Heiligabend leer, gilt er als Verpackungsmüll. Er gehört also eigentlich in die gelbe Tonne. Wird der Kalender aber komplett in den Müll geworfen, kann er nicht richtig sortiert werden. Pappumhüllung und Kunststoffinnenleben hängen noch fest aneinander. Die Folge: Der ganze Kalender wandert in die Müllverbrennung.

Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Papphülle und der Innenteil aus Plastik leicht trennen. Die Pappe gehört ins Altpapier und Kunststoffe kommen in die gelbe Tonne. So kann das Material leichter recycelt werden.

Nach dem Gebrauch die Pappe vom Plastik-Innenleben trennen. So kann der Adventskalender recycelt werden.

Schlecht für die Müllverwertung sind schwarze Kunststoffe. Die haben wir in zwei gekauften Kalendern gefunden. Das Problem: Schwarze Kunststoffe können nur in wenigen sehr modernen Sortieranlagen getrennt werden. Die meisten werden also verbrannt. Hier sehen wir die Hersteller in der Pflicht, recyclingfreundliche Produkte anzubieten.

Noch besser ist es natürlich, einen wiederverwendbaren Kalender selbst zu befüllen. Das spart nicht nur Geld, sondern macht es auch möglich, ganz individuelle Füllungen zu nehmen und sie mit liebevollen Botschaften auf Zetteln zu ergänzen.

Adventskalender gibt es auch in Bio-Qualität und aus fairem Handel. Deren Verpackungsanteil ist jedoch nicht unbedingt geringer als bei herkömmlichen Kalendern.