Vorsicht bei Anrufen für kostenpflichtige Pflegeberatung

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Derzeit häufen sich Fälle von Telefonwerbung zur Beantragung von Pflegeleistungen: Durchsetzung eines Anspruchs auf Pflegeleistungen für 199 Euro - obwohl Pflegebedürftige bei offiziellen Stellen eine kostenlose Beratung erhalten können.
Ältere Frau telefoniert mit Smartphone

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Schweizer Firma bietet älteren Pflegebedürftigen Kunden telefonischen Pflegeservice an und nennen den Angerufenen dabei oft beim richtigen Namen.
  • Häufig erhalten die Angerufenen im Anschluss an das Telefonat ein Schreiben mit Rechnung, obwohl sie sofort aufgelegt haben.
  • Ein Vertrag ist in der Regel nicht zustande gekommen - im Zweifel sollten Sie den elektronischen Vertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen.
  • Eine kostenpflichtige Beratung ist nicht erforderlich. Alle Menschen, die gesetzlich kranken- und pflegeversichert sind, haben einen Anspruch auf eine kostenfreie, neutrale und individuelle Pflegeberatung.
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Gegen eine Servicegebühr von 199 Euro bietet eine Firma derzeit Beratungen über Pflegeleistungen an. Die Betroffenen, vorwiegend ältere Menschen, erhalten meist einen Anruf. Die Firma aus der Schweiz wirbt damit, bei der Durchsetzung eines Anspruchs auf Pflegeleistungen über bis zu 6.280 Euro zu helfen. Bei den Telefonaten zeigt sich, dass die Anrufer oftmals Pflegegrad und Namen des Angerufenen kennen und versuchen Druck auszuüben. Auch wenn die Angerufenen auflegen, erhalten sie ein Schreiben, bei dem die Rechnung direkt dabei liegt. Obwohl der Vertrag vermutlich in den meisten Fällen nicht zustande gekommen ist, sollten Sie sollten nun im Zweifel den Vertrag widerrufen und die Rechnung nicht bezahlen.

Im Übrigen benötigen Sie keine kostenpflichtige Pflegeberatung. Denn Pflegebedürftige erhalten bei offiziellen Stellen von Kommunen oder Pflegekassen eine kostenlose Beratung. Wichtig ist vor allem: Haben Sie am Telefon einen Vertrag geschlossen – unter Umständen auch unwissentlich – sollten Sie nicht sofort zahlen, sondern den Vertrag widerrufen.

Wie kann man solche Verträge widerrufen?

Grundsätzlich gilt: Werbeanrufe ohne Ihre ausdrückliche Einwilligung sind unzulässig. Trotzdem sind am Telefon abgeschlossene Verträge, bis auf wenige Ausnahmen, auch ohne nachträgliche Bestätigung gültig. Sie können telefonisch geschlossene Verträge jedoch in der Regel 14 Tage lang widerrufen. Anbieter sind verpflichtet, über das Widerrufsrechts zu informieren und eine Widerrufsbelehrung vorzulegen. Reicht der Anbieter die Belehrung nach, haben Sie ab dann 14 Tage Zeit für den Widerruf. Erfolgt keine Widerrufsbelehrung, verlängert sich das Widerrufsrecht und erlischt erst nach 12 Monaten und 14 Tagen. Sie können für den Widerruf unseren Musterbrief  nutzen.

Haben Pflegebedürftige wirklich Anspruch auf bis zu 6.280 Euro?

Das klingt zunächst viel. In Wirklichkeit kann dies aber noch mehr sein. So gibt es ab Pflegegrad 2 bei der Pflege zuhause viele verschiedene Leistungen, die in Anspruch genommen werden können. Die Höhe hängt vor allem vom Pflegegrad ab. In der höchsten Stufe, dem Pflegegrad 5, gibt es zum Beispiel 901 Euro Pflegegeld pro Monat, wenn Pflegepersonen die häusliche Pflege übernehmen. Wer zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst gepflegt wird, erhält in Pflegegrad 5 bis zu 2.095 Euro. Zusätzlich besteht unabhängig vom Pflegegrad Anspruch auf monatlich 125 Euro als Entlastungsbetrag für Unterstützung im Alltag. Außerdem gibt es Geld für Hilfsmittel, Wohnraumpassung oder Verhinderungspflege. Insgesamt kann also ein deutlich höherer finanzieller Anspruch bestehen als auf 6.280 Euro pro Jahr. Außerdem ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW das Versprechen des Anbieters nicht haltbar, dass die Pflegekasse "keine Bedarfsprüfung" vornimmt. Denn Pflegekassen sind verpflichtet, etwa den Bedarf für einen Umbau oder für einen Hausnotruf zu prüfen, was die Firma in ihren Geschäftsbedingungen auch erwähnt.

Die offizielle Pflegeberatung gibt es kostenlos

Alle Menschen, die gesetzlich kranken- und pflegeversichert sind, haben einen Anspruch auf eine kostenfreie, neutrale und individuelle Pflegeberatung. Und zwar nicht erst, wenn jemand schon in einen Pflegegrad eingestuft wurde, sondern sobald Pflegebedürftige die Pflegekasse kontaktieren, weil erkennbar ein Hilfe- und Beratungsbedarf besteht oder weil sie einen Pflegegrad beantragen möchten. In NRW gibt es mehr als 500 Beratungsstellen, getragen von Kommunen, Pflegekassen oder Wohlfahrtsverbänden. Privatversicherte können sich an die Compass Private Pflegeberatung wenden. Der Pflegewegweiser NRW bietet unter Tel. 0800 / 40 40 044 eine kostenlose Hotline und hilft bei Fragen nach der passenden Anlaufstelle vor Ort.

Warum haben solche Anbieter Erfolg?

Wer pflegebedürftig ist, muss sich mit komplizierten Anträgen und Regelungen befassen. Hier den Durchblick zu behalten, ist nicht einfach. Das machen sich kommerzielle Anbieter zunutze. Tatsächlich lassen sich viele Pflegebedürftige Leistungen aus Unkenntnis entgehen oder beantragen einen Pflegegrad sehr spät, wenn sie allein gar nicht mehr zurechtkommen.