Kreditkarten ohne Jahresgebühr: Achtung, Kostenfalle!

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kosten fürs Geldabheben oder hohe Kreditzinsen bis zur Abrechnung: Bei Kreditkarten ohne Jahresgebühr kann es manche böse Überraschung geben.
  • Wir haben die Konditionen bei zehn verschiedenen Kreditkarten verglichen.
  • Komplett kostenfrei ist keine.
Vier Kreditkarten aufeinander.
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Das Testfeld kam aus zwei Gruppen: Zum einen bestand es aus fünf Kreditkarten, die nur zusammen mit einem kostenlosen Girokonto erhältlich waren, ohne monatlichen Mindestgeldeingang. Die ausgebenden Banken: Comdirect, Consors, ING-DiBa, Norisbank und Wüstenrot Direct.

Die weiteren fünf Karten im Check – Santander 1plus Visa, Advanzia Mastercard, Barclaycard New Visa, ICS Visa World Card und Payback American Express – gab es auch ohne Girokonto. Dabei riss die Visa von Wüstenrot Direct gleich die erste Hürde: Die Karte war nur im ersten Jahr gratis, danach sollte sie 19 Euro pro Jahr kosten, wenn der Kartenumsatz unter 2000 Euro liegt.

Interessante Fakten aus unserem Vergleich:

Bei acht von zehn kostenfreien Kreditkarten werden außerhalb des Euro-Raums Aufschläge für Zahlungen berechnet.
Frei: Advanzia und Santander.
Mit vier von zehn Kreditkarten im Vergleich ist das Geldabheben an Automaten im Inland kostenfrei.
Consors, ING-DiBa, Santander und Advanzia.
Geld abheben an Automaten im Ausland mit anderer Währung ist bei vier von zehn verglichenen Karten kostenfrei.
Advanzia, Comdirect, Norisbank und Santander.
Bei zwei verglichenen Kreditkarten sind Zahlungen und Geldabheben gebührenfrei, aber Zinsen für Kreditbeträge hoch.
Santander berechnet 13,98 %, Advanzia 22,9 %.
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Oft Aufschlag bei Zahlungen außerhalb des Euro-Raums

Ohne Jahresgebühr hieß noch lange nicht kostenfrei. Je nach Nutzungsart konnten sehr wohl Entgelte oder hohe Zinsen anfallen.

Etwa beim Einsatz im Ausland – zwar nicht bei Zahlungen innerhalb des Euro-Raums, wohl aber in fremden Währungsräumen. Beispiel USA oder Australien: Nur die Advanzia Mastercard und die Santander 1plus Visa verzichteten in diesem Fall auf einen Aufschlag auf den Umrechnungskurs.

Norisbank, Consors, Comdirect und ING-DiBa dagegen erhoben einen Fremdwährungszuschlag von 1,75 Prozent. Bei der Barclaycard betrug der Aufschlag 1,99 Prozent, ICS und Payback American Express verlangten sogar zwei Prozent.

Geldabheben am Automaten im Inland

Obacht war auch beim Geldabheben am Automaten geboten. Die Entgelte dafür fielen je nach Anbieter und Einsatzort extrem unterschiedlich aus. Kostenlos im Inland abheben ließ es sich mit den Visa-Karten von Consors und ING-DiBa sowie mit der Advanzia Mastercard und der Santander 1plus Visa.

Besonders happig waren die Inlandsgebühren bei der Comdirect-Kreditkarte. Satte 9,90 Euro mussten Kunden pro Automatennutzung berappen. Die Konkurrenten berechneten als Mindestgebühr zwischen 1,50 und 6 Euro. Tipp: Bei einigen Anbietern, wie etwa der Comdirect, war die Kreditkarte mit einem Girokonto verbunden. Wer statt der Kreditkarte die Bankkarte zückte, blieb von Kosten verschont.

Geldabheben am Automaten im Ausland

Das galt allerdings nicht für Besitzer einer Payback American Express Card. Sie zahlten stets, ob im In- oder Ausland, vier Prozent, mindestens jedoch fünf Euro. Das heißt: Wer umgerechnet 400 Euro abhob, war mit 16 Euro dabei. Immerhin: Beim Geldziehen im Euro-Ausland verzichteten Norisbank und ICS auf Gebühren.

Außerhalb des Euro-Raums kassierten ING-DiBa, Consors, Barclaycard und ICS zwischen 1,75 und 2 Prozent. Keine eigenen Kosten erhoben hingegen Advanzia, Comdirect, Norisbank und Santander.

Wichtig zu wissen: Grundsätzlich können im Ausland Fremdgebühren des dortigen Automatenbetreibers hinzukommen. Die sollten jedoch vor der Abhebung angezeigt werden.

Keine Entgelte, aber hohe Kredit-Zinsen

Ausgerechnet bei den beiden Anbietern, die komplett auf Fremdwährungs- und Geldautomatenentgelte verzichteten, lauerten besonders fiese Fallen. So buchte Santander am Monatsende nur einen Teil vom Monatsumsatz ab und ließ den größten Teil des Saldos als Kredit stehen. Der musste dann zu saftigen 13,98 Prozent Effektivzins abgestottert werden. Wer die Zinsfalle entschärfen wollte, musste entweder sofort nach der monatlichen Kreditkartenabrechnung den offenen Betrag überweisen oder zuvor sein Kreditkartenkonto aufladen.

Noch böser war die Überraschung am Monatsende für Nutzer der Advanzia Mastercard, wenn sie die Karte zum Geldabheben eingesetzt hatten. Der Grund: Vom Zeitpunkt der Abhebung bis zum Abrechnungstag am Monatsende mussten Karteninhaber Zinsen zahlen – und zwar 1,73 Prozent pro Monat. Das entspricht einem jährlichem Effektivzins von horrenden 22,9 Prozent. Wer also am Monatsanfang 500 Euro abgehoben hatte, bekam 29 Tage später 8,36 Euro Zins oben drauf.