Mehr Energieversorger könnten Strom- und Gassperren vermeiden

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Wer Schulden beim Strom- oder Gasanbieter hat, muss damit rechnen, dass seine Leitungen abgeklemmt werden. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale NRW zeigt, dass alternative Maßnahmen noch zu selten genutzt werden.

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Mehr als 92.000 Strom- und Gasanschlüsse sind 2013 in Nordrhein-Westfalen gesperrt worden. Die wahre Dimension der Energiearmut lässt sich aber nicht allein an den Sperren ablesen. Denn auch Androhungen und Ankündigungen von Sperren sind in vielen Fällen schon Zeichen für ernste Engpässe. 79 der 106 Grundversorger in NRW haben bei einer Umfrage der Verbraucherzentrale angegeben, im Jahr 2013 insgesamt mehr als zwei Millionen Androhungen und 400.000 unmittelbare Sperrankündigungen verschickt zu haben. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eine Energiesperre vier Wochen vorher angedroht und drei Tage vorher angekündigt wird. Spätestens dann sollte bei jedem die Alarmglocke schrillen: Betroffene sollten unbedingt mit ihrem Versorger in Kontakt treten.

Denn es gibt Möglichkeiten, die Sperre noch abzuwenden. Ratenzahlung ist ein Beispiel. In der Umfrage geben 40 Prozent der Unternehmen an, dies von sich aus für ausstehende Rechnungsforderungen anzubieten. Dass letztlich nur rund 2,6 Prozent der Privatkunden tatsächlich einen Ratenplan abgeschlossen haben, liegt unter anderem an schlechten Konditionen. In vielen Fällen schlagen die Versorger dabei noch Bearbeitungsgebühren und Verzugszinsen drauf. Nur 36 Prozent der 79 Versorger aus der Umfrage verzichten auf Extrakosten. Bei den anderen bewegen sich die Gebühren zwischen 5 und 50 Euro. 37 Versorger verweigern einen Ratenplan, wenn der Anschluss bereits gesperrt wurde.

Eine weitere Möglichkeit, gar nicht erst in den Schuldensog zu kommen, sind Pre-Paid-Zähler. Sie werden von 29 der 79 befragten Energieversorger angeboten – 17 von ihnen nehmen dafür nichts extra. Sinnvoll kann auch die monatliche Abrechnung sein. Doch für so vorausschauendes Finanzmanagement fordern einige Versorger happige Zusatzkosten: bis zu 35 Euro pro Extrarechnung. Wer jeden Monat eine Rechnung wünscht, muss für seine elf Sonderrechnungen im Jahr also 385 Euro zusätzlich bezahlen.

Säumige Kunden können sich auch bei Sozial-, Budget- oder Schuldnerberatungen Hilfe holen. Jeder vierte der 79 befragten Energieversorger pflegt mit diesen eine Kooperation. 2010 war es lediglich jeder zehnte. Ein Beispiel für einen solchen Schulterschluss, der auch eine Energiesparberatung umfasst, ist das Projekt "NRW bekämpft Energiearmut".

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