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Datenkontrolle bei Fitness-Apps: Anbieter geben kaum Auskunft

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwölf Testpersonen haben einen Auskunftsantrag gestellt, nachdem sie das Wearable (Smartwatch/Fitnesstracker) und die dazugehörige Fitness-App vier Wochen genutzt hatten.
  • Nach zwei Anläufen haben lediglich drei der Testpersonen Antworten auf ihre Fragen erhalten.
  • Die Marktwächter-Experten haben daher sechs Anbieter abgemahnt und einen verklagt.
  • Der Praxistest ergänzt die Ergebnisse einer im April 2017 erschienenen Marktwächter-Studie. Diese hat gezeigt, dass zahlreiche Nutzerdaten an die Anbieter gesendet werden und kaum einer der untersuchten Anbieter ausreichend über die genaue Verwendung der zum Teil sensiblen Daten informiert.
Mann beim joggen mit Smartphone
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Anbieter müssen ihre Kunden darüber aufklären, welche Daten sie bei der Nutzung eines Dienstes erheben und zu welchem Zweck sie verwendet werden. Dies tun sie in der Regel in ihren Datenschutzhinweisen. Darüber hinaus sind Anbieter dazu verpflichtet, Nutzern auf Anfrage Informationen darüber zu geben, welche personenbezogenen Daten sie über den Betroffenen gespeichert haben, aus welcher Quelle diese Daten stammen, an welche Empfänger beziehungsweise Kategorien von Empfängern die Daten weitergegeben wurden und zu welchem Zweck die Daten gespeichert werden.

Wollen Sie eine Erlaubnis, Daten über Sie zu speichern und zu nutzen, widerrufen, können Sie unseren Musterbrief verwenden und ihn an Anbieter schicken.

Ein Test des Marktwächter-Teams Digitale Welt der Verbraucherzentrale NRW hat jedoch gezeigt: Wer sein Recht auf Auskunft nutzt und aktiv nachfragt, hat schlechte Karten. Von zwölf geprüften Wearable- und Fitness-App-Anbietern haben lediglich drei aus Sicht der Marktwächter-Experten angemessen beantwortet, welche Daten des Nutzers zu welchem Zweck gespeichert sind und wie diese weitergegeben werden. Die Ergebnisse zeigen: "Verbraucher, die bei der Wearable- und Fitness-App-Nutzung ihre eigenen Daten im Blick behalten möchten, haben kaum eine Chance. Selbst dann nicht, wenn sie Informationen direkt beim Anbieter einfordern. Damit wird die Kontrolle der eigenen Daten erschwert oder sogar vollständig blockiert", sagt Ricarda Moll, Referentin im Marktwächter-Team Digitale Welt der Verbraucherzentrale NRW.

Fitness-Apps und Wearables sammeln zahlreiche Daten ihrer Nutzer.
Marktwächter-Untersuchung im April 2017
Kaum ein Anbieter informiert in seinen Datenschutzerklärungen ausreichend über Nutzung und Verwendung der Nutzerdaten.
Ergebnis der Marktwächter-Studie im April 2017.
Selbst wenn Nutzer aktiv nachfragen, erhalten sie selten ausreichende Antwort von den Anbietern.
Ergebnis des aktuellen Marktwächter-Tests.
"Verbraucher, die bei der Wearable- und Fitness-App-Nutzung ihre eigenen Daten im Blick behalten möchten, haben kaum eine Chance."
Ricarda Moll, Referentin im Marktwächter-Team
Folge des Tests: Abmahnungen gegen Garmin, Fitbit, Technaxx, Jawbone, Striiv und Apple sowie Klage gegen Apple.
Jawbone ist mittlerweile insolvent.
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Auf Anfrage: Funkstille oder pauschale Hinweise statt klarer Antworten

Zwölf Testpersonen haben einen Auskunftsantrag gestellt, nachdem sie ein Wearable und die dazugehörige Fitness-App zuvor vier Wochen genutzt hatten. Die Verbraucherzentrale selbst tauchte nicht im Antrag auf. Nach zwei Kontaktversuchen hatten zwar acht von zwölf Anbietern reagiert, jedoch waren nur drei der Antworten zufriedenstellend. Andere Reaktionen bestanden beispielsweise lediglich aus pauschalen Hinweisen zum Umgang mit den erhobenen Daten, ohne jedoch auf die konkreten Fragen der Nutzer einzugehen. Vier der zwölf Anbieter haben innerhalb der genannten Frist überhaupt nicht auf das Auskunftsersuchen der Nutzer reagiert.

Wer nachfragt, erlebt auch Hindernisse

Die Ergebnisse des Praxistests zeigen auch: Möchten Nutzer wissen, was mit ihren Daten geschieht, wird es ihnen nicht leicht gemacht. Denn abgesehen davon, dass einige Anbieter bis zuletzt in keiner Weise auf die Anfrage reagierten, forderten zwei Anbieter zusätzlich weitere Informationen zur Identifikation (Produktbestellnummer/Personalausweis) vom Nutzer. Eine Antwort haben die Betroffenen bis heute nicht erhalten, obwohl die aus Sicht der Marktwächterexperten unter Umständen notwendigen Informationen übermittelt wurden.

Praxistest mit Konsequenzen: Anbieter abgemahnt und verklagt

Die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale NRW sehen in den ausbleibenden beziehungsweise unzureichenden Antworten der Anbieter Verstöße gegen geltendes Datenschutzrecht. Daher wurden sechs Anbieter abgemahnt. Die vier Anbieter Garmin, Fitbit, Striiv und Technaxx haben die geforderten Unterlassungserklärungen abgegeben – im Gegensatz zu Apple. Dieses Unternehmen haben die Marktwächter-Experten mittlerweile verklagt.

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Beschränken Sie in den Einstellungen die Berechtigungen zum Zugriff der Apps auf die Daten, sofern möglich! Erlauben Sie nur den Zugriff auf Informationen, die für die Nutzung eines Dienstes erforderlich sind bzw. deren Nutzen Sie nachvollziehen können. Tragen Sie Wearables nicht ständig, sondern beispielsweise nur bei sportlichen Aktivitäten - so fallen weniger Daten an.
  • Seien Sie sich bewusst, dass bei der Nutzung von Wearables und Fitness-Apps zahlreiche sensible Daten gesammelt und verarbeitet werden: Sie sollten sich bewusst machen, was mit Ihren Gesundheitsdaten geschieht und an wen sie weitergegeben werden. Dies sollte aus den Datenschutzhinweisen hervorgehen, die verständlich und in deutscher Sprache verfügbar sein sollten. Falls nein, könnte dies ein Ausschlusskriterium sein.

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