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Auf Schritt und Tritt dabei: Kinder-Tracking spaltet Elternschaft

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die große Mehrheit (92 Prozent) der Eltern verfolgt nicht den Standort ihrer Kinder. Das ist das Ergebnis einer Marktwächter-Umfrage zum Thema Tracking von Kindern.
  • Doch: Knapp die Hälfte der Eltern, die aktuell ihre Kinder nicht via Smartphone-App oder GPS-Uhr tracken, kann sich das grundsätzlich vorstellen.
  • Für ebenso viele Befragte kommt solch eine Kontrolle nicht in Frage: Zu den Gründen gehört auch die Sorge vor dem Zugriff Dritter auf die Daten.
  • Vorsicht gilt bei Mithör-Funktionen solcher Geräte: Die Bundesnetzagentur verbietet den Verkauf von Kinderuhren mit Abhörfunktion und fordert die Vernichtung.
Eine Mutter hält die Hand ihres Kindes, am Handgelenk trägt es eine Smartwatch.
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Mittlerweile gibt es einige Möglichkeiten, sein Kind immer im Blick zu haben: Apps auf dem Smartphone des Kindes oder Smartwatches am Handgelenk zeigen daheim, wo der Nachwuchs gerade ist. Eltern können über SIM-Karte und GPS-Funktion den Standort mit einer App nachverfolgen und in einigen Fällen auch mit ihren Kindern telefonieren.

Eine repräsentative Befragung des Marktwächter-Teams NRW zeigt: Auch wenn das aktuell die Mehrheit der Eltern (92 Prozent) nicht tut, können sich 46 Prozent der Eltern mit Kindern im Alter von drei bis 14 Jahren grundsätzlich eine solche Ortung vorstellen. Für diese Gruppe kommt vor allem eine Ortung via Smartphone-App (37 Prozent) in Frage. Für 19 Prozent wäre auch der Einsatz einer GPS-fähigen Uhr denkbar. Befragt worden waren 1.048 Eltern von Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren.

"Man muss seinen Kindern auch vertrauen können"

Doch für ebenso viele Befragte kommt diese Kontroll-Technik nicht in Frage. Vor allem geben sie eine Begründung an: "Man muss seinen Kindern auch vertrauen können" ist mit Abstand (91 Prozent) die häufigste Nennung. Viele empfinden eine solche Nutzung auch als zu starkes Eindringen in die Privatsphäre des Kindes (74 Prozent). Die Hälfte dieser Befragtengruppe (49 Prozent) gibt an, dass ihr Kind auch ohne eine Standortverfolgung sicher sei. Auch Datenschutz-Sorgen spielen in die Entscheidung rein, Standortverfolgung nicht nutzen zu wollen. So fürchten die Befragten, den Zugriff Dritter auf die Daten (39 Prozent) und sie sorgen sich, was mit den Daten noch geschieht (34 Prozent).

Informieren Sie sich darüber, wozu der Dienst Ihre Daten nutzt (beispielsweise personalisierte Werbung, Profilbildung). Lesen Sie hierfür die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen.

Umgang mit den Daten bleibt oft unklar

"Immer zu wissen, wo das eigene Kind steckt, klingt für besorgte Eltern sicher verheißungsvoll. Aber wir beobachten auch Risiken, die mit der Nutzung dieser Tracking-Technologie einhergehen", sagt Miriam Rusch-Rodosthenous, Team-Leiterin des Projekts Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale NRW. So informieren einige Anbieter nicht deutlich darüber, wie sie mit den erfassten Daten umgehen.

Wichtig ist auch: Prüfen Sie, ob Sie eine Kinderuhr mit Abhörfunktion haben bzw. kaufen wollen. Lässt sich ein Mikrofon an der Uhr aus der Ferne einschalten und dadurch mithorchen, ohne dass das Kind und seine Umgebung das mitbekommen? Modelle mit dieser Funktion wurden durch die Bundesnetzagentur verboten. Sie rät Eltern, die Uhren unschädlich zu machen und Vernichtungsnachweise hierzu aufzubewahren. Die Funktion werde von den Herstellern häufig als "Babyphone"- oder "Monitorfunktion" bezeichnet.

Auch Fremde könnten Zugriff bekommen

Auch gravierende technische Mängel können Probleme bereiten: Eine Untersuchung norwegischer Verbraucherschützer von GPS-Uhren hat aufgedeckt, dass bei einigen Uhren etwa der Standort des Kindes manipuliert werden kann. In so einem Fall kann den Eltern ein Ort angezeigt werden, an dem sich das Kind gerade nicht befindet.

Auch lassen einige der untersuchten Uhren eine Verbindung mit einem weiteren Kundenkonto – außer dem der Eltern – zu. Dies bekommen Eltern und Kinder nicht zwangsläufig mit. Ein Fremder könnte so den Standort des Kindes nachverfolgen. Ebenso wäre es möglich, die von den Eltern eingegebenen Details zu verändern, wie einen festgelegten Bewegungsradius oder eingespeicherte Telefonnummern, mit denen das Kind kommunizieren darf. Seien Sie sich also bewusst, dass durch ein mögliches Mehr an Kontrolle neue Sicherheitsrisiken entstehen können.